Italien: Harte Strategien gegen Straßenstrich

23. Oktober 2002, 16:24
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Gesetzesentwurf sieht Beschlagnahmung von Freier-Autos vor - Prostituierten droht Gefängnis

Rom - Freier in Italien, die eine Prostituierte in ihr Auto einladen, müssen künftig mit der Beschlagnahme ihres Fahrzeugs für 40 Tage rechnen. Außerdem müssen sie bis zu 2.000 Euro Strafe zahlen.

Prostituierten droht das Gefängnis

Dies sieht ein Gesetzentwurf der Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi zur Abschaffung des sich immer stärker ausbreitenden Straßenstrichs vor. Sich anbietende Frauen, die mehrfach auffallen, müssen gar mit bis zu drei Monaten Gefängnis rechnen, berichtete die Mailänder Zeitung "Corriere della Sera" am Mittwoch.

"Kooperativen" ohne Zuhälter

Nach Monaten heftiger Debatten wolle die Mitte-Rechts-Regierung die Prostitution auf öffentlichen Straßen und Plätzen künftig völlig verbieten. Stattdessen dürfen Protestierte "Kooperativen" gründen und in gemeinsamen Wohnungen ihrem Gewerbe nachgehen. Allerdings solle dies keinesfalls eine Wiedergeburt der 1958 verbotenen Bordelle bedeuten, heißt es. So dürfe es keine Zuhälter geben, die dabei ihr Geschäft machen.

40 Prozent Minderjährige

"Lucciole" (Glühwürmchen) werden in Italien die rund 70.000 "leichten Mädchen" genannt, die von Mailand bis Palermo allabendlich an den Straßen stehen. Viele von ihnen kommen aus Osteuropa und Afrika, 40 Prozent sind Minderjährige.

Erst unlängst hatte der Rechtspopulist und Chef der Liga Nord, Umberto Bossi, vergeblich die Zulassung von Eros-Centern nach deutschem Vorbild vorgeschlagen. Umfragen zufolge ist auch die Mehrheit der Italiener für die Wiedereröffnung der Bordelle. Wie die Zeitung berichtet, gehen rund neun Millionen Italiener zu Prostituierten. "Alle Männer gehen zu Prostituierten, wenn sie die Gelegenheit haben", meinte die Schauspielerin Franca Rame schon vor Jahren. "Das ist weniger kompliziert, als eine Geliebte zu haben." (APA)

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