Die Bewegung der Sans Papiers in Frankreich - von Madjiguene Cisse

23. Oktober 2002, 14:55
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"Aus dem Schatten treten" - so bezeichnen die Illegalisierten in Frankreich ihren Aufbruch. 1996 wurde in Paris die erste Kirche besetzt, weitere folgten. Geschickt und hartnäckig entfalteten sie Aktivitäten, die Schlagzeilen schrieben und ungeahnte Unterstützungswellen in der französischen Gesellschaft hervorriefen.

Madjiguene Cisse war Sprecherin des ersten MigrantInnen- Kollektivs, das durch die Besetzung der Kirche Saint Amboise auf die Situation der Sans Papiers aufmerksam machte. "Papiere für Alle", erstmals in deutscher Sprache erschienen, reflektiert Erfahrungen, Erfolge und Niederlagen der Illegalisierten, zieht Verbindungen zur kolonialen Vergangenheit und verweist auf die lange Geschichte der Bewegungen von MigrantInnen in Frankreich.

Es geht um nichts weniger als die scheinbar unanfechtbare Vorstellung einer notwendigen Kontrolle der Migration und der schon lange präsenten Vorstellung einer notwendigen Abschottung, damit diejenigen MigrantInnen, die "schon da sind", auch integriert werden können. Der selbstorganisierte Kampf der Sans Papiers gegen Migrationskontrolle und Illegalisierung will einer umfassenden Legalisierung von Lebens- und Arbeitswelten aller Papierlosen den Weg ebenen.

Sich zu organisieren, auf die Strasse zu gehen, einen Hungerstreik zu beginnen, das alles sind auch Akte der Wiedergewinnung von Würde und Respekt, die den Sans Papiers in den täglichen Schikanen der Behörden genommen werden sollen.

Madjiguene Cisse, im Senegal geboren, Studium u. a. in Deutschland, wurde 1996 zur Sprecherin der Sans Papiers gewählt, sie erhielt im Dezember 1998 die Carl von Ossietzky Medaille der internationalen Liga für Menschenrechte. Den Kampf der Sans Papiers beschreibt sie als Teil ihrer eigenen Biographie in der ersten Person- und als politische Chronologie kämpferischer Selbstorganisation von Illegalisierten in Europa.

Eine Veranstaltung von legalise_at

Die neu gegründete Unterstützungsplattform legalise_at setzt sich für illegalisierte Migrantinnen ein. Die Plattform weist auf die Probleme der Illegalisierung wie fehlende Krankenversicherung, ständige Existenzängste und die Angst vor Abschiebung hin.

Besonders Frauen werden durch ihre Beschäftigung in privaten Haushalten sowie in der Sexindustrie nicht nur unsichtbar, sondern auch stärker verwundbar und somit ausbeutbarer. Legalise_at kritisiert das neue "Integrationspaket", das ein neues Potenzial für Illegalisierung – speziell von Frauen – beinhaltet. Aus diesen Gründen organisiert die Plattform am 10.Dezember 2002 einen Aktionstag.

Feministisches Frauenlesben Treffen mit Madjiguene Cisse

Sa 26.10.2002
19 Uhr im FZ,
Währingerstr. 59,
Stiege 6,
1090 Wien

Madjiguene Cisse wird interessierten Frauen von ihrer politischen Einschätzung der Bewegung der Sans Papiers in Frankreich und ihrer politischen Arbeit in Senegal erzählen. Die anwesenden Frauen können ihre politischen Einschätzungen und Aktivitäten vor Ort erzählen und sich über Unterstützung und Zusammenarbeit austauschen.

Vorbereitungstreffen für interessierte zum FrauenLesben treffen ist am Donnerstag den 24. Oktober 2002 im FZ, 2 Stock Tel 4085057

(red)

25. Oktober,
um 20.00 Uhr
im Amerlinghaus, Stiftgasse, 1070 Wien

Dienstag, 10.Dezember: Aktionstag für illegalisierte Migrantinnen
Nähere Infos: E-Mail

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