Papierarbeiter verweigern ab Montag Überstunden

25. Oktober 2002, 11:44
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Nach Abbruch der KV-Verhandlungen

Wien - Nach Abbruch der Kollektivvertragsverhandlungen für rund 10.000 Beschäftigte der heimischen Papierindustrie hat die Gewerkschaft der Chemiearbeiter gestern, Donnerstag, bei einer Betriebsrätekonferenz in Wien die weitere Vorgangsweise beschlossen. Am kommenden Montag werden die Beschäftigten in allen 32 österreichischen Unternehmen auf unbefristete Zeit keine Überstunden mehr leisten und nur mehr Dienst nach Vorschrift leisten, war heute aus der Chemiegewerkschaft zu erfahren.

Unternehmen unterschiedlich betroffen

Vom angekündigten Überstunden-Boykott sind die Papierunternehmen unterschiedlich betroffen. Der Anteil der Überstunden an der Arbeitsleistung schwankt in den Unternehmen zwischen 2 und 6 bis 7 Prozent. Heute Vormittag werden die Beschäftigten von den Betriebsräten informiert. In der heimischen Papierindustrie arbeiten die Arbeiter im 5-Schicht-Betrieb 36 Stunden, im Normalbetrieb 38 Stunden. Die Angestellten haben eine 38,5-Stunden-Woche.

Am 4. und am 5. November werden in den Papierunternehmen bundesweit Betriebs- und Mitarbeiterversammlungen abgehalten, um die Beschäftigten über den aktuellen Stand der Verhandlungen zu informieren. Für den 7. November ist dann eine weitere Betriebsrätekonferenz in Wien geplant.

Abbruch

Wie berichtet wurden die Kollektivvertragsverhandlungen für die Beschäftigten in der Papierindustrie abgebrochen und kein weiterer Termin vereinbart. Die Papierindustrie hat eine Abgeltung der Inflationsrate und einen "gerechten Anteil am wirtschaftlichen Erfolg" gefordert. Außerdem wollte sie eine Besserstellung der Beschäftigten bei Produktionsstillständen.

Die Unternehmerseite unter der Führung von Frantschach-Chef Veit Sorger hat mit Hinweis auf die schwierige wirtschaftliche Lage lediglich eine Erhöhung der Ist- und der KV-Löhne von 1,6 Prozent geboten. Die Unternehmer wollen, dass von einzelnen Unternehmen gezahlte Prämien bei der Lohnfindung berücksichtigt werden. Außerdem sei der Vorjahresabschluss zu hoch gewesen, so dass man 0,4 Prozent in Rechnung stellen müsse. Die Industrie betont, dass die Einkommen in der Papierindustrie überdurchschnittlich seien und in der Gesamtindustrie an vierter Stelle stehen.

Der neue Kollektivvertrag, der zuletzt für zwei Jahre abgeschlossen wurde, sollte per 1. November in Kraft treten. (APA)

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