Neuer Chef erbt tiefrote Zahlen

24. Oktober 2002, 14:30
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Rampl ab Jänner an der Spitze der HypoVereinsbank - Dividende fraglich - Konzernumbau eingeleitet

München/Wien - Nach dem Absturz in die tiefroten Zahlen soll Firmenkunden-Vorstand Dieter Rampl die bayerische HypoVereinsbank (HVB) als neuer Vorstandssprecher aus der Krise führen. Ab Jänner folgt er auf Albrecht Schmidt, der an die Aufsichtsratsspitze wechselt.

Im dritten Quartal 2002 ist bei Deutschlands zweitgrößter Bank - in Österreich Mutter der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) - ein operativer Verlust von 684 Mio. Euro entstanden. Im Vorjahreszeitraum betrug der Betriebsgewinn der HVB noch 245 Mio. Euro. Die HBV rechnet nicht mit einer Besserung der Ertragslage - ob es überhaupt eine Dividende für 2002 geben kann, ist noch offen.

Aktie bricht ein

Die Aktie brach daraufhin in Frankfurt erneut zeitweise um fast 15 Prozent ein, am Donnerstag verlor das Papier weitere sechs Prozent. Allein seit der Übernahme der Bank Austria hat sich der Börsenwert der HVB um 76 Prozent reduziert.

Risikovorsorge mehr als verdoppelt

Im dritten Quartal fiel vor Steuern ein Verlust von 447 Mio. Euro an, teilte die HVB mit. Verantwortlich für die hohen Verluste ist vor allem eine deutlich aufgestockte Risikovorsorge. Wegen der Konjunkturflaute und der Pleitewelle in Deutschland fiel der Verlust damit noch einmal höher aus als von den meisten Analysten erwartet. Die Kredit-Risikovorsorge wurde allein im dritten Quartal auf 1,2 Mrd. Euro mehr als verdoppelt. In den ersten neun Monaten liegt die Vorsorge nun bei 2,5 Mrd. Euro, 85,5 Prozent höher als Ende September 2001.

Die HVB verfügt unter den deutschen Banken über das größte Kreditportfolio und ist von den zahlreichen Insolvenzen besonders stark betroffen. Als Großbank war die HVB in fast alle deutschen Großpleiten der jüngeren Vergangenheit von Kirch über Holzmann bis zu Fairchild Dornier involviert.

Der Zinsüberschuss gab in den ersten drei Quartalen um knapp sechs Prozent auf fünf Mrd. Euro nach. Der Provisionsüberschuss sank um fast sieben Prozent auf gut zwei Mrd. Euro. Wegen eines Gewinns von 970 Mio. Euro aus Finanzanlagen unter anderem durch den Verkauf von Allianz-Anteilen verblieb in den ersten neun Monaten unter dem Strich ein Nachsteuer-Gewinn von 126 Mio. Euro (Vorjahr: 722 Mio. Euro). Vor Steuern lag der Gewinn der HVB auf 260 Mio. Euro, der Gewinn der Tochter BA-CA bei 304 Mio. Euro.

"Konzernumbau"

"Konzernumbau" heißt die Reaktion der HVB auf die Krise. Außerdem kündigte Schmidt einen noch schärferen Sparkurs an. Bis 2004 sollten insgesamt 1,7 Mrd. Euro an Synergien und Kosteneinsparungen realisiert werden. Bisher waren 1,2 Mrd. Euro vorgesehen. In den kommenden Monaten will sich das Unternehmen außerdem von weiteren Randaktivitäten trennen. (Reuters, red)

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    Löst ab 1.1. 2003 Albrecht Schmidt an der Spitze der HypoVereinsbank ab: Dieter Rampl.

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