Vom Umgang der Männer mit Teilzeit

24. Oktober 2002, 09:39
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EU-Projekt sucht nach Strategien, die das Verhältnis der Geschlechter und individuelle Zufriedenheit verbessern

Graz - Mit der Frage, wie Männer unfreiwillige Brüche in ihrer beruflichen Biografie verkraften, beschäftigt sich eine europäische Tagung, die ab dem 26. Oktober in Graz stattfinden wird. Veranstaltet wird die interdisziplinäre Konferenz unter dem Titel "Vom Vollerwerbsmann zum Teilzeitmann in Väterkarenz" von der Männerberatung Graz. Im Hintergrund steht das EU-Forschungsprojekt "Work changes Gender", das sich im EU-Vergleich mit Umbrüchen in Arbeitsverhältnissen von Männern, den Veränderungen des männlichen Selbstverständnisses und den Möglichkeiten für die Geschlechtergleichstellung beschäftigt.

"Ernährer" hat nicht ausgedient

"Viele Männer definieren ihren Selbstwert nach wie vor über beruflichen Erfolg und Karriere", so Christian Scambor von der Männerberatung (Maeb) in Graz. Sie glauben, dass sie nur im Vollerwerb und als Ernährer ihrer Familie "ihren Mann stehen", weiß der Geschäftsführer der Männerberatungsstelle aus der Arbeit mit Hilfe suchenden Geschlechtsgenossen. "Im Gespräch zeigt sich immer wieder, wie belastet und krisenanfällig Männer mit einer primären Orientierung auf Beruf, Karriere und der traditionellen Ernährerrolle ihr Leben gestalten", berichtete der Psychologe und Männerberater.

Atypische Beschäftigungsverhältnisse und Arbeitslosigkeit

Doch die männliche Lebensrealität ist zunehmend geprägt von Brüchen in der Erwerbsbiografie: Zeiten der Arbeitslosigkeit und vor allem atypische Beschäftigungsverhältnisse oder Leih- und Teilzeitarbeit werden mehr und mehr auch für Männer zur Norm. Wie aber können Männer - die sich laut Scambor mit einem Halbtagsjob "auch in ihrer Männlichkeit halbiert" sehen - diesen Umbruch bewältigen? Das EU-Forschungsprojekt "Work changes Gender", an dem die Grazer Männerberatungsstelle als einzige österreichische Organisation teilnimmt (die Leitung hat die in Berlin sesshafte, gemeinnützige Organisation für Geschlechterdemokratie "Dissens" über), geht dieser Frage nach.

Ziel des dreijährigen Forschungsprojektes - dessen erste Ergebnisse auf der Grazer Tagung präsentiert werden - ist es, das Spannungsfeld von neuen Arbeitsformen, individueller Lebensgestaltung von Männern und der Beziehung zwischen den Geschlechtern zu analysieren. "Wirtschaftswissenschafter spüren Trends auf dem Arbeitsmarkt in unterschiedlichen Regionen Europas auf, Soziologen untersuchen sozial innovative Betriebe, die neue flexible Arbeitsformen für Männer mit Geschlechtergleichstellung verknüpfen. Und Psychologen untersuchen Selbstbilder und Identitäten der Männer, die bereits heute mit den neuen Herausforderungen zu leben gelernt haben", umreißt Scombor die Ausrichtung des Projektes. Dabei versucht man auch Strategien zu finden, die das Verhältnis der Geschlechter im Sinne von mehr Gleichstellung, Lebensqualität von Männern und Frauen und individueller Zufriedenheit verbessern. (APA)

Tagung "Vom Vollerwerbsmann zum Teilzeitmann in Väterkarenz" der Männerberatung Graz, 26. bis 30. Oktober,
Stempfergasse 7,
8010 Graz,
Tel.: 0699/ 12 63 08 24

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