Leobener Frauenarzt-Affäre weitet sich aus

23. Oktober 2002, 16:16
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Staatsanwaltschaft untersucht bereits acht Fälle

Graz - Die Affäre um jenen Kapfenberger Frauenarzt, der im Verdacht steht, Krebspatientinnen falsch behandelt zu haben, hat sich am Mittwoch ausgeweitet. Die Staatsanwaltschaft untersucht bereits acht Fälle, die Vorerhebungen umfassen auch das Delikt der fahrlässigen Tötung. Vom Gesundheitsreferenten des Landes wurde ein Verfahren zur einstweiligen Untersagung der Berufsausübung eingeleitet.

Gegen den Gynäkologen gibt es schwer wiegende Vorwürfe: Bei zwei Patientinnen soll er Brusttumore nicht oder viel zu spät erkannt haben. Die Frauen leiden jetzt an Krebs.

Staatsanwaltschaft ermittelt auch im Fall einer bereits verstorbenen Patientin

Die Staatsanwaltschaft Leoben ermittelt nicht nur in diesen Fällen wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung, sondern hat noch eine dritte Krankengeschichte im Visier: In diesem Fall ist eine Patientin im vergangenen Sommer gestorben. Ob dies auf Grund einer falschen Behandlung geschehen ist, ist Gegenstand von derzeit laufenden Ermittlungen auch in weiteren fünf Fällen.

Der Arzt soll sich auch alternativer Heilmethoden bedient haben und etwa Medikamente "ausgependelt" haben. Er selbst will die bisher erhobenen Vorwürfe in dieser Form nicht bestätigen.

Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Thomas Mühlbacher, erklärte, könne man derzeit "nur von einem Verdacht sprechen, nicht mehr und nicht weniger".

Telefonische Beratung eingerichtet

Gesundheitslandesrat Günter Dörflinger (S) hat als Sofortmaßnahme die gynäkologischen Ambulanzen in den Krankenhäusern Bruck an der Mur und Leoben verstärkt. Eine telefonische Beratung für verunsicherte Patientinnen wurde eingerichtet. Außerdem wurde ein Verfahren zur vorläufigen Untersagung der Berufsausübung eingeleitet.

Die Ärztekammer teilte ihrerseits mit, dass eine ärztliche Fachkommission gebildet wurde, die eine Stellungnahme an das Land im eingeleiteten Verfahren zur Praxisschließung ausarbeitet. Ebenfalls sei die unabhängige Disziplinarkommission informiert worden, die nun ebenfalls die Möglichkeit einer einstweiligen Berufsuntersagung bis zum rechtskräftigen Abschluss eines Disziplinarverfahrens prüft. (APA)

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