"Werde es wieder schaffen!"

25. Oktober 2002, 12:37
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Renate Götschl arbeitet geduldig am Comeback - In Sölden wird sie allerdings noch nicht am Start sein

Wien - Renate Götschl wird wie Hermann Maier dem Weltcup-Auftakt in Sölden fern bleiben, trotzdem schaut die Welt der verletzten Speed Queen bedeutend besser aus als jene des Herminators. Während der Salzburger seine Ski derzeit notgedrungen ins Eck gestellt hat, steht Götschl längst wieder auf den Brettern die ihre Welt bedeuten. Läuft weiterhin alles nach Plan, wird mit einem Comeback der Steirerin schon bald zu rechnen sein.

Sechs Monate Pause

Rückblick Anfang März 2002: Gerade eine Woche nachdem Götschl mit ihren beiden Olympia-Medaillen die ÖSV-Damen vor einer Totalpleite in Salt Lake City gerettet hat, sagt sie Michaela Dorfmeister mit Trainings-Bestzeit in Lenzerheide den Kampf im Weltcup an. 24 Stunden später zerreißt es die Steirerin kurz vor der Zwischenzeit und in ihrem linken Knie fast alle Bänder und den Meniskus. Auch das Wadenbein bricht. Statt wie in den vergangenen Jahren um die große Kristallkugel zu kämpfen, kommen auf Götschl eine Operation und sechs Monate Pause zu.

"Wie weggeblasen"

Fast exakt sechs Monate später schnallt die Steirerin tatsächlich wieder die Ski an. Dazwischen lagen monatelange Therapie in Schruns bei Dr. Schenk, einige Rückschläge und gerade eine Woche Urlaub in Ägypten. An den sie beste Erinnerungen hat. "Ich war schon am Verzweifeln, weil ich nicht schmerzfrei gehen konnte, der Knochen einfach nicht heilen wollte. Nach dem Urlaub war alles wie weg geblasen", erinnert sich die 27-Jährige heute.

"Alle Zeit der Welt"

Heute fährt sie längst auch schon wieder durch Tore, ohne Zeitnehmung freilich. Der ÖSV hat Walter Hlebayna als Sondertrainer abgestellt, es geht voran. "Langsam aber stetig, das Knie ist aber noch nicht ganz einsatzfähig", so Götschl, die zwar mit dem Team Anfang November in die USA fliegt, sich bezüglich eines Comebacks schon in Lake Louise aber nicht festlegen will. "Vor drei Wochen war's plötzlich wieder so schlimm, dass ich nicht Skifahren konnte. Man kann also nichts erzwingen, ich gebe mir alle Zeit der Welt", lässt sich die Weltcup-Gesamtsiegerin 2000 nicht drängen.

Ein typischer Wesenszug der zweifachen Weltmeisterin, die weiß: "So bin ich eben, ich überstürze nichts. Du kannst deine eigene Heilung nicht überholen und wenn das Knie nicht will, will es eben nicht." Sie sieht sich dabei aber nicht im Kontrast zu Alexandra Meissnitzer oder Hermann Maier, die nach ihren Verletzungen vielleicht zu früh wieder auf die Piste wollten. "Bei jedem läuft das anders. Bei Anita Wachter ist es immer sehr schnell gegangen, bei anderen eben langsamer. Auf so etwas hast du keinen Einfluss."

Kampf gegen die Verzweiflung

Götschl ist jedenfalls felsenfest davon überzeugt, "dass ich es wieder schaffen werde." Deshalb hat sie auch nie verzagt, vielmehr nach dem Sturz die Herausforderung angenommen. "Natürlich wäre ich das Duell mit der Michi gerne fertig gefahren. Aber dann kam der Sturz und für mich eine völlig neue Situation und die wollte ich mit der gleichen Energie bewältigen. Mit dem Bewusstsein, dass es auch nicht funktionieren kann." So gesehen hatte die Verletzung auch etwas Gutes. "Ich habe meinen Körper noch ein Stück besser kennen gelernt, oft geschimpft, aber auch Geduld geübt. Die Verzweiflung habe ich einfach nie zugelassen."

"Nicht die Welt"

Das Wort "Aufhören" ist ihr deshalb nie in den Kopf gekommen. "Dazu habe ich den Sport einfach zu gerne." Und deshalb lässt sie sich auch weiterhin Zeit. Götschl: "Ich will ja nicht nur noch ein Jahr sondern noch länger fahren." Renate Götschl hat noch große Ziele, das gibt sie unumwunden zu. "Alles was bisher war, das war noch nicht die Welt." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Renate Götschl beim Entspannen in Schruns

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