Salzburg: Erste private Medizin-Uni Österreichs genehmigt

23. Oktober 2002, 11:57
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42 Studenten sollen in fünf Jahren ein Medizin-Studium absolvieren können

Wien/Salzburg - In Salzburg entsteht die erste private Medizin-Universität Österreichs. Der für die Anerkennung von Privatuniversitäten zuständige Akkreditierungsrat hat Dienstagabend dem Antrag der "Privaten Medizinischen Universität Salzburg" auf Akkreditierung zugestimmt. Für jeweils fünf Jahre wurden zwei Studienprogramme aus dem Fach Humanmedizin genehmigt: ein Diplomstudium, das mit dem Dr.med. abschließt, sowie ein PhD-Programm. Der Studienbetrieb soll bereits im Herbst 2003 starten.

"Das Konzept der Ausbildung für HumanmedizinerInnen kann als wünschenswerte und geglückte Konkurrenz zur Ausbildung an den staatlichen Universitäten gesehen werden", heißt es in einer Aussendung des Akkreditierungsrates. Die Salzburger Medizin-Uni ist die siebente Privat-Universität in Österreich.

Die Privat-Uni soll bei den Salzburger Landeskliniken eingerichtet und zu einem großen Teil aus Mitteln des Landes Salzburg finanziert werden. Die Landesregierung hat im Mai dieses Jahres beschlossen, bis zu 40 Prozent der jährlichen Kosten zu übernehmen. Pro Jahrgang sollen 42 Studenten aufgenommen werden. Der Vorsitzende der "Medizinische Universität Salzburg Privatstiftung", Primarius Herbert Resch, bezifferte am Mittwoch im Gespräch mit der APA die Kosten für den Diplomstudiengang mit 8.000 Euro pro Jahr. Die Studenten sollen das Medizinstudium in fünf Jahren abschließen können, an den staatlichen Unis beträgt die Mindeststudiendauer für Medizin sechs Jahre.

Resch hob die im Vergleich zu den staatlichen Unis "sehr individuelle Ausgangslage" der Salzburger Medizin-Uni hervor. Man sei in der Lage, die Studierenden auszuwählen und deren Zahl zu limitieren. "Wir werden uns bemühen, die besten Leute auszuwählen, wobei es sich um eine geistige Auswahl handelt und nicht um eine finanzielle", sagte Resch, der betont, dass es sich um kein Projekt für reiche Leute handle. Sollte sich jemand die Studiengebühren nicht leisten können, werde man nach entsprechenden Unterstützungen und Finanzierungsformen suchen.

Geboten werde ein sehr intensives Studium mit starkem Praxisbezug von Anfang an, mit Kleingruppenunterricht und Bedside-Teaching. Das Studenten-Lehrerverhältnis soll bei unter eins zu zehn liegen, den Studierenden stünde mit 1.800 Betten im Landeskrankenhaus ein sehr breites Patientenspektrum zur Verfügung. Geplant ist weiters ein Forschungstrimester, das jeder Student durchlaufen muss. Bei Forschungsprojekten ist eine enge Zusammenarbeit mit der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg vorgesehen. Im 4. Jahr des Studiums wird zudem ein Studentenaustausch mit der renommierten Mayo-Klinik in Rochester im US-Bundesstaat Minnesota angeboten.

Die laufenden Kosten der privaten Universität werden mit rund 9,5 Millionen Euro pro Jahr beziffert. Davon werden 40 Prozent vom Land Salzburg aufgebracht. In den ersten fünf Jahren will das Land insgesamt rund zehn Millionen Euro für die Errichtung der privaten Universität zur Verfügung stellen. Ein weiterer großer Brocken soll von Sponsoren kommen. Unter anderem soll Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz eine Beteiligung an der Finanzierung zugesagt haben. Der Rest soll über Beiträge der Stadt Salzburg sowie über Studiengebühren und Forschungsprojekte hereingebracht werden.

Vorerst wird die Salzburger Medizin-Uni in angemieteten Räumen untergebracht. Die Adaptierung eines Gebäudes in unmittelbarer Nähe zum Landeskrankenhauses ist geplant.

Bei der Wiedererrichtung der Salzburger Universität im Jahr 1962 war auch die Gründung einer Medizinischen Fakultät geplant, deren Realisierung jedoch ausblieb. Seit drei Jahren wurde unter der Federführung von Resch intensiv an der Gründung der privaten medizinischen Universität gearbeitet. (APA)

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