Spaniens "letzter Avantgarde-Poet" starb mit 92

23. Oktober 2002, 11:27
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Francisco Pino über sich: "avantgardistisch und traditionalistisch, religiös und revolutionär"

Madrid - Francisco Pino, der als "Spaniens letzter Avantgarde-Poet" gegolten hatte, starb nach Presseberichten vom Mittwoch im Alter von 92 Jahren in seiner Heimatstadt Valladolid. Pino hatte mehr als 50 Gedichtbände verfasst, mit denen er sich allerdings nur an ein relativ kleines Publikum richtete.

Er wurde mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet und vor zwei Jahren zum Ehrenbürger von Valladolid, der Hauptstadt der Region Kastilien-León, ernannt. Pino, der bereits im Alter von zwölf Jahren mit dem Dichten begonnen hatte, arbeitete an mehreren surrealistischen Fachzeitschriften mit. Bei Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs (1936-1939) wurde er von republikanischen Milizen festgenommen, obwohl er selbst ein überzeugter Republikaner war. Der Grund war, dass Pino sich öffentlich zum katholischen Glauben bekannt hatte. Das Einschreiten eines Polizeioffiziers verhinderte, dass der Dichter exekutiert wurde.

"Ich passe zu keinem Ideal von Vaterland", schrieb der Dichter später. "Für mich zählten nur meine Freunde, innerhalb des Gefängnisses und außerhalb." In einem seiner letzten Interviews im vorigen Juni beschrieb Pino sich als einen Menschen der Widersprüche. Er sei zugleich avantgardistisch und traditionalistisch, religiös und revolutionär. (APA/dpa)

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