Rettung aus Japan?

23. Oktober 2002, 09:42
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Kontakte mit Toyota kolportiert - Verluste zehren ein Drittel des Kapitals auf

Rom - Um sich vor dem Bankrott zu retten, hofft die italienische Autogruppe Fiat auf Hilfe aus Japan. Nach Angaben der Mailänder Tageszeitung "Sole 24 Ore" sind Kontakte zwischen dem Turiner Konzern und der Autogruppe Toyota im Gange, um die Möglichkeit eines Einstiegs der Japaner bei Fiat zu sondieren. Toyota, weltweit drittgrößter Autoproduzent, sucht nach einer Einstiegsmöglichkeit auf dem europäischen Automarkt.

Nachdem Verhandlungen mit dem französischen Konzern Peugeot gescheitert waren, biete die Fiat-Krise eine neue Gelegenheit, in ein großes europäisches Autounternehmen einzusteigen, berichtete "Sole 24 Ore". Laut der Zeitung seien einige enge Mitarbeiter der Nummer zwei der italienischen Autogruppe, Umberto Agnelli, dieser Tage in Tokio, um Gespräche mit Toyota zu führen.

Inzwischen droht sich die Fiat-Krise zu verschärfen. Die Verluste des Jahres 2002 sollten laut Schätzungen des Turiner Konzerns auf 1,5 Mrd. Euro klettern. Dies bedeutet, dass wegen der Krise ein Großteil der 1,8 Mrd. Euro verraucht ist, die Fiat dank der jüngsten Kapitalaufstockung im vergangenen April kassiert hatte. Die Verluste betragen bereits ein Drittel des Kapitals. Nach italienischem Recht ist ein Unternehmen bei Verlusten in Höhe eines Drittels des Eigenkapitals verpflichtet, das Kapital wieder aufzustocken.

Die italienischen Metallarbeiter riefen inzwischen zu einem neuen Streik am 15. November auf. Der achtstündige Streik solle als Solidaritätsinitiative mit den 8.100 Fiat-Arbeitnehmern betrachtet werden, deren Arbeitsplatz wegen des Fiat-Umstrukturierungsplans gefährdet sei. Seitdem Fiat am 9. Oktober den Umstrukturierungsplan mit den massiven Stellenkürzungen vorgestellt hat, häufen sich die Protestaktionen der Fiat-Belegschaft. Am Freitag hatten sich die Angestellte des Autokonzerns am achtstündigen Generalstreik gegen die Regierung Berlusconi angeschlossen.

Um Fiat aus der Krise zu verhelfen, denkt die Regierung Berlusconi an eine "Verschrottungsprämie" zur Belebung des Automarkts. Mit einem Bonus im Wert von 3.400 Euro, der zum Teil auf den Autofirmen und zum Teil auf den Staatskassen lastet, sollen 8,5 Mill. Pkw verschrottet werden. Über zehn Jahre alte Autos, die nicht mehr den Umweltstandards entsprechen, sollen auf den Schrotthaufen landen. Ziel ist, die Zahl der Verschrottungen im kommenden Jahr von einer Million auf vier Millionen zu steigern. Für den Staat wären die Kosten minimal, da er von den Zulassungssteuern profitieren würde, die der Besitzer für sein neues Auto zahlen muss, versichern die Regierungsexperten. (APA)

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