"Wir sind ein wunderbares Team!"

30. Oktober 2002, 20:02
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Genauso bemüht wie unsere Bundesregierung tanzt das "Theater im Bahnhof": Regisseurin Monika Klengel und Schauspielerin Juliette Eröd im Interview über ihr Stück für "Nichttänzer"

dieStandard.at Mit eurer neuen Produktion "Tanz deine Zeit" über die österreichische Bundesregierung scheint ihr wieder einmal den Nerv der Zeit getroffen zu haben. Zitat: "Das TiB ist beim Versuch, die österreichische Gegenwart zu beschreiben, auf ein adäquates Bild gestoßen: Menschen tun mit dem größten Selbstbewußtsein Dinge, die sie nicht können."

Große Bühnen wie das Schauspielhaus Graz ernten in letzter Zeit Kritik für ihre unpolitischen und aus dem gesellschaftlichen Kontext gerissenen Inszenierungen. Die haben mehr Geld und Infrastruktur, habt ihr dafür mehr Mut?

Monika Klengel Ich glaube, das liegt eher daran, dass wir weniger Geld haben. Wir haben Kinder, leben in "normalen" Verhältnissen, haben unsere alltäglichen Sorgen. Und sind näher dran am Leben in Graz. Auch die politische Ebene ist für uns sehr konkret.

Außerdem haben wir eine große Liebe zu den "ganz normalen Menschen". In die Arbeit fließt auch viel von unseren Alltagsbeobachtungen ein, vom "Leute schauen". Ich will jetzt eigentlich nicht diesen Begriff verwenden, aber wir haben einfach eine große Affinität für die "kleinen Leute".

Juliette Eröd Wir arbeiten auch schon sehr lange zusammen und reden auch in unserer Freizeit über aktuelle (politische) Sachen.

Monika Klengel Begonnen haben wir mit der Grundidee, immer etwas zur österreichischen Identität zu machen. Am Anfang haben wir auch strikt österreichische AutorInnen aufgeführt.

dieStandard.at Stichwort "Österreich": wie seht ihr den Nestroy-Preis und den Tumult rund um die Ansprachen?

Monika Klengel Ich hab den Abend sehr gut gefunden. Aber eigentlich find ich das alles ziemlich lächerlich. Da nennen sie den Preis "Nestroy"-Preis und dann haben sie überhaupt keinen Humor.

dieStandard.at Der ORF hat nach der Nestroy-Gala gemeint, dass er schauen wird, dass so etwas nicht noch einmal passiert. Stichwort Zensur: habt ihr seit der Blau-Schwarzen Wende in eurer Arbeit Einschränkungen gespürt?

Monika Klengel Nein, wir wurden finanziell nicht gekürzt, im Gegensatz zu vielen anderen. Was wir spüren, ist eine gewisse Vereinnahmung. Die Stadt und das Land putzen ihr Image mit uns auf.

Überall hören wir, wie wunderbar wir sind, aber eine Existenzsicherung gibt es nicht.

Was wir bemerkt haben, ist dass die Resonanz des Publikums seit dem Regierungswechsel sehr groß geworden ist. Sicherlich auch durch unsere gesellschaftliche Arbeit.

Juliette Eröd Wir haben auch alle ein anderes Standbein. Woanders würden wir nie für so wenig Geld arbeiten.

dieStandard.at Diese Produktion hat zumindest eine Regisseurin, 4 von 6 SchauspielerInnen sind Frauen. Ist es einfacher für Frauen in einem Off-Theater zu arbeiten?

Juliette Eröd Also ich hab mich noch nie als Frau diskriminiert gefühlt, hier in der Arbeit.

Monika Klengel Es hat sich bei uns schon auch viel verändert, vor allem seit 2000. Früher war unsere Führungsriege komplett männlich.

Wir begreifen uns ja alle als TheatermacherInnen. Letztendlich sind die Regieverantwortlichen aber doch vor allem Männer.

***

Tanz deine Zeit

Damit wir wissen, wo wir sind
Tanztheater für NichttänzerInnen

die Nichttänzerinnen:

Juliette Eröd
Gabriela Hiti
Elisabeth Holzmeister
Lorenz Kabas
Rupert M. Lehofer
Martina Zinner

Regie:

Monika Klengel
Ed. Hauswirth

Dramaturgie: Eff Hofer

Ausstattung: Heike Barnard

Licht: Gerd Andreiz

(e_mu)

Die letzten Vorstellungen vor der NR-Wahl:

24.10., 25.10., 16.10., jeweils um 20 Uhr
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