Familienpolitische Maßnahmen beeinflussen Geburtenrate nicht

23. Oktober 2002, 10:50
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Zum Geburtenrückgang in Österreich wurden 2.000 Teilnehmer befragt - mit Grafik

Wien - Österreich schrumpft: Geht es nach Aufzeichnungen des Instituts für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, die am Dienstag Abend in Wien präsentiert wurden, wird die heimische Bevölkerung immer weniger. Denn wie die Statistik im Jahr 2000 sagt, bekam eine Österreicherin bis dahin durchschnittlich 1,3 Kinder im Laufe ihres Lebens. Um die Größe des heimischen Volkes zu erhalten, müssten Frauen jedoch durchschnittlich 2,1 Kinder bekommen.

Die Rate von 1,3 Kindern im Durchschnitt liege somit 38 Prozent unter jenem Level, der ein "Wiederherstellen" der heimischen Bevölkerung erreichen soll. Der Vergleich mit anderen westlichen Ländern zeige, dass Österreich mit diesem Trend deutlich im unteren Bereich liege. Mit ehemaligen kommunistischen Ländern in Europa halte es sich die Waage.

Im unteren Bereich

Die niedrigste Geburtenrate hatte Österreich zwischen den beiden Weltkriegen. In den fünfziger und sechziger Jahren erhöhten sich die Zahlen (durchschnittlich 2,7 Kinder pro Familie). In den achtziger Jahren waren es nur mehr 1,7. Jetzt, im 21. Jahrhundert, ist die Alpenrepublik wieder das Land in der EU mit Geburtenzahlen im unteren Bereich. Und das soll sich nach den Daten des Demographie-Instituts auch so schnell nicht wieder ändern.

Der starke Rückgang der Geburten macht sich auch bemerkbar, wenn man Frauen gleichen Alters aus verschiedenen Jahrzehnten miteinander vergleicht. Österreicherinnen, die 1930 geboren wurden, hatten durchschnittlich 2,3 Kinder, jene mit dem Geburtsjahr 1950 bekamen rund 1,9 Kinder. 1965 geborene brachten 1,6 Kinder zur Welt.

Junge Bevölkerung nicht beunruhigt

Wenig beunruhigt über diese Entwicklung zeigten sich laut einer Studie, die in Österreich von Mai bis September 2001 durchgeführt wurde, die junge Bevölkerung. Dabei wurden die rund 2.000 Teilnehmer zu ihrer Meinung zum Geburtenrückgang oder zur Effizienz familienpolitischer Maßnahmen befragt. Während die Altersgruppe der 55- bis 59-Jährigen die sinkende Zahl der Geburten der vergangenen Jahre als sehr negativ einschätzte, taten dies junge, männliche Befragte im Alter von 25 bis 29 Jahren nicht.

Auch die familienpolitischen Maßnahmen hatten nicht wirklich einen Einfluss auf die junge Bevölkerung und deren Kinderwunsch, so die Studie. Zwar meinte die Hälfte der 20- bis 39-Jährigen, dass es bei Einführung der von ihnen bevorzugten Maßnahmen für sie leichter wäre, die gewünschte Anzahl von Kindern zu bekommen. Über die Hälfte der Befragten gab jedoch an, dass die staatliche Förderung keinen Einfluss auf ihr Verhalten habe. Laut der Studie nimmt bei Frauen mit zunehmenden Alter der Einfluss der Familienpolitik ab. (APA)

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