Ein treuer Diener seines Herren

22. Oktober 2002, 19:56
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Sektionschef Szymanski steht hinter Strassers Migrationspolitik - und wird mit Jahresende in Pension geschickt - unfreiwillig

Wien - Als Sektionschef war Wolf Szymanski immer ein treuer Diener seines Herren. Das war erst Franz Löschnak, dann Caspar Einem, schließlich Karl Schlögl, unter dem Szymanski mit den Bereichen Legistik und Fremdenwesen zum Supersektionschef aufgestiegen ist. Jetzt ist sein Chef Ernst Strasser, Szymanski ist immerhin das Fremdenwesen geblieben.

Der Sektionschef ist ein eingefleischter Roter, hält in seinem Selbstverständnis als Beamter die Loyalität aber zu jedem Minister hoch - auch wenn dieser der ÖVP angehört. Aus Eigeninteresse, wie manche sagen. Dennoch ist er bei seinem jetzigen Chef in Ungnade gefallen. Szymanski soll mit Jahresende in Pension geschickt werden, gegen seinen Willen. Er weiß das seit dem Frühsommer. Strasser wirft ihm mangelndes Organisationstalent vor. Und hätte mit Matthias Vogl, derzeit im Kabinett des Ministers, bereits einen Vertrauten als Nachfolger parat.

Dennoch schickt Strasser in der heiklen Asylfrage Szymanski voran. Der Sektionschef führt die Verhandlungen mit den Hilfsorganisationen und muss in der Öffentlichkeit den Kopf hinhalten. Medienkontakte sind freilich nur nach ausdrücklicher Erlaubnis aus dem Ministerbüro möglich.

"Sie sollen nach Hause gehen"

Obwohl ihm Ernst Strasser recht anschaulich das Vertrauen entzogen hat, vertritt Szymanski in der Öffentlichkeit exakt die Linie des Ministers, bringt sie in der Verknappung auf den Punkt: "Sie sollen nach Hause gehen", sagt er, wenn er zur Frage der obdachlosen Flüchtlinge Antwort geben muss. Der Sektionschef macht also nicht viel Umschweife, wenn er die Intention des Innenministeriums darstellt. Die jedenfalls nicht die Seinen sind. Denn die Konzepte, die er in früheren Jahren etwa für den SPÖ-Klub in Migrationsfragen erstellt hat, lasen sich noch anders. Die bedingungslose Loyalität lässt ihn bei Kollegen als Karrierist erscheinen, der immer noch darauf hofft, von Strasser oder seinem Nachfolger doch nicht aufs Abstellgleis gestellt zu werden.

Szymanski ist ein Arbeitstier. Sein Auto mit dem Wunschkennzeichen W olfil8 steht ab sieben Uhr morgens auf dem Parkplatz, nach einer Pause für das Abendessen zu Hause bleibt der Sektionschef wenigstens bis 22.00 Uhr im Büro.

(völ - DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 23.10.2002)

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    Sektionschef Wolf Szymanski/r. und Innenminister Ernst Strasser/l

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