Wer zu spät schießt, den bestraft das Leben

27. Oktober 2002, 14:38
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Elf Waffen, 35 Maps, fünf Spielmodi und grandiose Arenen - Unreal Tournament 2003 im Test

Die Rechner sind vernetzt. Der Raum verdunkelt. Getränke sind bereit gestellt, Nahrungsmittel rund um den Rechner verteilt, Handy abgedreht. Die wichtigsten menschlichen Bedürfnisse wurden ebenfalls schnell erledigt und los geht’s.

Lange hat das Shooter-Herz auf die Fortsetzung des 1999 erschienen „Unreal Tournament“ warten müssen, dafür ist die Vorfreude nun umso größer. Die Spieler machen sich bereit; keine Zeit mehr um an die zwölf Waffen fünf Spiel-Modi, 37 Level, 50 Bots, sechs Rassen mit je acht Charakteren und 12 Mutatoren zu denken. Die ersten Einstellungen sind schnell getroffen – die Spieler bereit.

Das Warten hat ein Ende

Die Anspannung steuert dem Höhepunkt entgegen. Die Spieler sind bereit – noch ein Klick und es geht los – „Three – two – one“ tönt es aus dem Lautsprecher - Klick und... Plötzlich stehe ich da mitten auf einer wunderschönen Rasenfläche mit ebenso gelungenen fein texturierten Bauwerken. Der Himmel schimmert rötlich, Baumriesen ragen vor mir in die Höhe und friedlich liegt die Landschaft vor mir. Gerade als ich mich vom ersten „Schock“ einer derart detailreichen Shooter-Umgebung erholt habe, ertönt das Rattern eines Schnellfeuergewehrs, blaue Blitze leuchten hell auf und zischen an mir vorbei – „Headshot!“ tönt der dramatische Kommentar aus dem Off – aus, vorbei - die erste Runde ohne auch nur einen einzigen Schuss abgegeben zu haben vorbei. Ein trauriger Rekord in meiner Unreal-Karriere.

Der zweite Versuch

Immerhin sind sich die Tester – bis auf denjenigen der mich erledigt hat (und nun verschmitzt grinst, weil er als einzige Person dieser Runde wirklich Shooter gespielt hat) – in ihrer Begeisterung über einen grafischen Leckerbissen einig. Nun gut - auf in eine neue Runde. Ich nehme mir vor nun nicht mehr auf die Details zu achten, sondern einfach zu spielen und mir „im Vorbeigehen“ Einiges für den Test zu merken. Nach fünf Stunden durchgehendem Spiel bin ich zwar um einige Siege reicher und durch einige schmerzliche Niederlagen kleinlauter geworden, doch zum Testen war keine Zeit.

Nun zu etwas ganz Anderem

Eine längere Pause zum Testen wird mir gewährt – damit auch die Leser später etwas zu tun haben un dich kann mich ganz meinen Aufgaben widmen. Unreal Tournament 2003 bietet nicht nur einen, für Shooter eher ungewöhnlichen – Detailreichtum, auch die Animationen wirken sehr realistisch. Die vielen Grafikeinstellungen und die hochauflösenden Texturen sind zwar ein Leckerbissen fürs Auge aber ein Alptraum für die Hardware-Anforderungen. Grandiose Soundeffekte und der gewohnt dramatische Kommentar sorgen für zusätzlichen Spielspaß.

Die Steuerung

UT-Veteranen werden mit der Steuerung auch im neuen Gemetzel keine Probleme haben; wie gewohnt ist alles völlig frei konfigurierbar und gespielt wird mit der bewährten Maus-Tastatur-Kombination. Zusätzlich zu den vom Vorgängern bekannten Fähigkeiten wurden auch einige sinnvolle Verbesserungen eingeführt, die den gesamten Spielverlauf wesentlich taktischer machen. So haben nun alle Spieler jederzeit die Möglichkeit einen Doppelsprung auszuführen, diese Fähigkeit wird im Laufe einer Partie auch immer wieder gefordert, da viele Extras – wie etwa Schilde und Superwaffen – auf Säulen oder Plattformen liegen die nur mit einem gut getimten Doppelsprung zu erreichen sind. Nichts verändert hat sich hingegen bei den Ausweichrollen; die Richtungstaste wird zweimal angetippt und die Spielfigur entkommt dem gegnerischen Fadenkreuz mit einem gewagten Hechtsprung.

Die Waffen

Die Waffen in Unreal Tournament 2003 unterscheiden sich – leider – kaum von denen des Vorgängers. Zwar wurden sie optisch aufbereitet und sind mit ihrem futuristischen Design durchaus passend, doch eine echte Neuerung fehlt. Die Mini-Gun bleibt weiterhin die beste Allround-Waffe im Turnier, die Redeemer steuert im sekundären Modus eine Atom-Rakete ans Ziel (übrigens in einer gut gelungenen Ego-Perspektive), der Translocator ist auf fünf Ladungen limitiert und die neue Superwaffe namens Ion Painter markiert den Feind für eine orbitale Ionen-Kanone. Positiv anzumerken sei hier nur, dass alle Waffen in ihrer Wirkung stark abgeschwächt wurden, was zu einer Minimierung der Glückstreffer führte und nun wesentlich mehr Können und Taktik fordert um eine Partie für sich zu entscheiden.

Wirklich neu sind nur die Adrenalin-Punkte, wobei eine einzelne herumliegende Kapsel einen, jeder Frag fünf Punkte bringt. Wer 100 gesammelt hat, darf sich über eine von vier Spezial-Fähigkeiten freuen – zur Wahl stehen etwa kurzfristige Unsichtbarkeit, erhöhte Laufgeschwindigkeit und Sprungkraft, doppelte Schadenspunkte dank Berserker-Modus oder maximale Verteidigungspunkte.

Alleine oder doch mit „feindlichen“ Freunden

Unreal Tournament 2003 ist – man ist geneigt zu sagen – wie erwartet – das Mulit-Player-Game dieses Jahres. In sechs Disziplinen kann man gegen computergesteuerte Bots (die glücklicherweise in den meisten Fällen ziemlich intelligent reagieren) oder menschliche Mitstreiter oder gegen beide Gruppen antreten. Zu den bekannten Spielmodi – (Team-)Deathmatch, auf Alles schießen was eine andere Teamfarbe hat, Capture the Flag, Flaggen vom gegnerischen Stützpunkt rauben und zur eigenen Basis bringen, gesellen sich eine neue Version der Double Domination, diesmal gilt es zwei Stellen gleichzeitig einzufärben, und Bombing Run, eine Art Rollerball, bei der sich beide Teams um eine Energiekugel raufen, die dann im gegnerischen Tor versenkt werden muss. Einige der Multi-Player-Maps sind es wert genauer betrachtet zu werden: So bietet etwa „Tokara Forest“ spannende Schlachten in einem extrem umfangreichen und wunderschön gestylten Wald, zwischen riesigen Baumstämmen stehen Jumppads, die den Spieler hoch in die Luft schleudern und ihm so das Geschehen aus der Vogelperspektive eröffnen. „Citadel“ verschlägt die Spieler in einen düsteren dornigen Alptraum und „Face 3“ lädt zum Capture-the-Flag-Kampf auf einer frei schwebenden Plattform – allerdings wesentlich größer und schöner als im Vorgänger.

Der Single-Player-Modus ist zwar alles in allem auch recht gelungen, doch macht dann das Ganze weit weniger Spaß. Sobald Name, Aussehen des Bots und Schwierigkeitsgrad ausgewählt wurden, steht einer Partei nichts mehr im Wege. Am Beginn steht die Qualifikation in der sich der Spieler alleine in sechs Maps gegen die Bots durchsetzen muss. Nach der fünften Karte darf dann auch die KI mithelfen. Insgesamt sieben Mitstreiter können ausgewählt werden, um danach gemeinsam in der eigentlichen Liga antreten zu können. Allerdings muss man sich gegen die Auserwählten erst im Deathmatch durchsetzen. Sobald alle diese Aufgaben gelöst sind, startet die eigentliche Liga im Deathmatch-Modus. Danach folgen mehrere Maps mit Double Domination, Capture-the-Flag und Bombing Run, am Ende steht der Endkampf gegen Malcolm.

Fazit

Unreal Tournament 2003 hat sich seinen Platz am Olymp der Mulit-Player-Shooter fix gesichert, daran gibt es nur wenig zu rütteln. Trotz ziemlich hoher Anforderungen an die Hardware, einem nicht ganz optimalen Single-Player-Modus, wenig innovativer Waffen und so manch abstrusem Bot setzt sich das Spiel aufgrund der grafischen Leckerbissen, den taktischen Anforderungen, den ausgewogenen Levels und der grandiosen Mehrspieler-Modi gegen die Konkurrenz durch. Für den Online-Shooter-Fan Pflicht, für so manch langweiligen Abend die Rettung und für Gestresste das perfekte Game zum Abschalten und Austoben. Nur Genre-Neulinge müssen sich auf einige harte und lehrreiche Zeiten einstellen.(Roger G. Arecuk)

Links

Infogrames

Digital Extremes

Unreal Tournament 2003 - Offizielle Webseite

Ansichtsache

Zu den Screenshots

Erscheinungstermin

bereits erhältlich

Hardware-Anforderungen

Pentium III oder Athlon mit 733 MHz
128 MB RAM
1,2 GB Installationsgröße
3D-Grafikbeschleunigerkarte mit 16 MB VRAM
Multiplayer-Fähigkeit: bis zu 32 Spieler via LAN oder Internet

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