"Austin Powers in Goldständer": Geheime Mission am Nullpunkt

27. Juli 2004, 12:29
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Teil drei der Agentenfilm-Parodie

"Austin Powers in Goldständer", Teil drei der Agentenfilm-Parodie, bringt Vater-Sohn-Streitigkeiten, einen Ausflug in die 70er-Jahre und jede Menge Recycling alter Witze.


Wien - Achtung, Anführungszeichen unten, spoiler alert, Anführungszeichen oben! Der Verleih bittet den Kritiker, nicht zu verraten, welche Hollywood-Stars in der Film-im-Film-Eröffnungsszene von Austin Powers in Goldständer - endlich einmal ein gelungen eingedeutschter Titel! - Powers, Dr. Evil und Mini Me verkörpern.

Als würde das etwas ändern - zeigt sich die Einfallslosigkeit von Goldständer bereits in seinem bemüht komischen Beginn: Denn als Genreparodie, die unter anderem auf das selbstreflexive Spiel mit Konventionen vertraut, ist das jüngste Sequel mit der Rückkehr ins Filmstudio an einem Nullpunkt angekommen. Nicht länger wird die ausufernde Komik der ersten beiden Teile weiter getrieben, ab sofort wird verdoppelt und etwas umarrangiert.

Gewiss setzt jedes Sequel auf ein bestimmtes Maß an Wiedererkennbarkeit. Derart unverblümt - und darin beinahe schon wieder täuschend ehrlich - wie in Goldständer hat man noch selten das Gleiche gemacht: Obszöne Schattenspiele, Match-Cut-Serien, Zeitreise, Weltermächtigungsfantasie - alles wie gehabt. Mittendrin darf sich Ozzy Osbourne sogar müde über den Hang zur Wiederholung beschweren.

Neu hinzugekommen ist neben der Figur Goldständers, einer weiteren, eher missglückten Schurkenrolle für Mike Myers, nur die Ausweitung der Vater-Sohn-Thematik: Dr. Evil darf sich über seinen endlich bösen Sohn Scott freuen, wodurch er jedoch seinen Klon vergrault; und Powers liefert sich auf seiner Mission ein Kräftemessen mit Vater Nigel (Michael Caine, einer der wenigen Glücksgriffe) - wie er selbst ein selbstverliebter Agent mit eigenwilligen Geschmacksvorlieben.

Diese Hinwendung zum Familiären mag ein weiterer selbstironischer Moment sein, schließlich scheint sie bei dritten Teilen (etwa in der Indiana-Jones-Serie) vorprogrammiert. Sonderlich ergiebig ist sie nicht, die zahlreichen Rückblenden, die von traumatischen Ereignissen erzählen, bringen die Gagmaschinen eher zum Stocken.

Obwohl sich Goldständer bis zum Kinoplakat auf die goldene Ära der 70er bezieht, bleibt auch Powers' Zeittrip, von dem er die Blaxploitation-Queen (Beyoncé Knowles, bekannt aus der Girl-Group Destiny's Child) in die Gegenwart mitbringt, auf einen uninspirierten Besuch der Szene-Disco Studio 69 beschränkt.

Besser als die parodistischen Gags (etwa Dr. Evil im unversperrten Hannibal-Lecter-Käfig) funktionieren immer noch Myers körperbezogene Zoten, monströs verkörpert durch Fat Boy - vereinzelte Treffer kommen eben vor, wenn man in Salven schießt. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.10.2002)

Von
Dominik Kamalzadeh

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austinpowers- derfilm.de

austinpowers.com

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    foto: warner
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