Chance in den USA

22. Oktober 2002, 19:19
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Deutscher Handyhersteller startet Marktoffensive in Übersee mit speziellen Handys und Kooperationsverträgen

New York - "Wir sind bisher ein kleiner Player in den USA, aber wir sind hier, um das zu ändern", sagte der für die Mobilfunksparte zuständige Siemens-Vorstand Rudi Lamprecht in New York. Der bisher kleine GSM-Markt in Nordamerika habe in den nächsten Jahren großes Wachstumspotenzial, da sich der europäische Mobilfunkstandard zunehmend auch in den USA etabliere.

Die bisherigen Mobilfunkstandards in den USA sind mit den in Europa und Asien verbreiteten GSM-Netzen nicht kompatibel. Das Sicherheitsthema nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 habe einen wesentlichen Anteil an einem verstärkten Mobilfunkwachstum in den USA, bestätigte Lamprecht gegenüber dem STANDARD.

Mit der Offensive im amerikanischen Markt wolle Siemens seine weltweiten Marktanteile ausweiten, erklärte Lamprecht. Nach Angaben des Marktforschers Gartner Dataquest ist Siemens derzeit der weltweit viertgrößte Handy-
hersteller. Als Netzlieferant habe sich Siemens von sechster auf die dritte Stelle vorgearbeitet, erklärte Lamprecht.

Gegen Motorola

Indirekt tritt Siemens mit seiner Expansion im US-Markt auch seit Monaten zirkulierenden Gerüchten entgegen, dass ein Teil oder das ganze Mobilfunkgeschäft an Motorola verkauft werden könnte. Während der Hauptkonkurrent von Siemens in Europa die finnische Nokia ist, tritt der deutsche Konzern im US-Markt vor allem gegen Motorola an.

Dennoch gibt es auch Zusammenarbeit mit dem US-Hersteller: So bezieht Siemens die Chipsets für sein erstes Telefon der dritten Handygeneration UMTS von Motorola. Zusammenarbeit gibt es aber auch mit anderen Konkurrenten: So ist Siemens Lizenznehmer von Nokia für einen Standard für Multimedia-Handys ("Serie 60") sowie von Microsoft.

Organizer-Handy-Kombination

Für den US-Markt produziert Siemens eine Organizer-Handy-Kombination namens SX-56 auf Basis des PocketPC-Betriebssystems von Microsoft. Offensichtlich fehlt es aber derzeit am Interesse europäischer Betreiber, um dieses Gerät auch in Europa auf den Markt zu bringen. T-Mobile bietet in Österreich ein solches Gerät auf PocketPC-Basis an, das von einem koreanischen Hersteller für T-Mobile gefertigt wird.

Laut Aussagen von Lam- precht sind alle Teile des Siemens-Mobilfunkgeschäfts - also Handys und Netzwerke - in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres profitabel gewesen; der Abschluss für das Ende September beendete Geschäftsjahr wird im November bekannt gegeben. Er sei zwar mit der derzeit erzielten Profitabilität nicht zufrieden, aber in einem "schwierigen Umfeld" sei Siemens über dem Markt gewachsen. (Helmut Spudich, DER STANDARD, Printausgabe 23.10.2002)

Mit speziellen Handys und Verträgen mit AT&T Wireless, Cingular Wireless und T-Mobile (früher Voicestream) startet Siemens eine Marktoffensive in einer Region, in der deutsche Hersteller bisher kaum vertreten waren.
  • Das rund 500 Euro teure S55 verfügt als erstes MMS-Handy über einen eingebauten Blitz.
    foto: siemens

    Das rund 500 Euro teure S55 verfügt als erstes MMS-Handy über einen eingebauten Blitz.

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