Ältester Hinweis auf Existenz von Jesus Christus

23. Oktober 2002, 12:06
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Aramäische Inschrift auf Urne entziffert: "Jakob, Sohn von Josef, Bruder von Jesus"

Washington - Ein französischer Forscher von der Sorbonne in Paris will den archäologisch ältesten Hinweis auf die historische Existenz von Jesus Christus entdeckt haben: eine Gravur.

Ein Gefäß aus Sandstein, gefunden in einer Höhle in Jerusalem und lange Zeit vor der Öffentlichkeit verborgen in einer privaten Sammlung in Israel verwahrt, trägt eine Inschrift in der altertümlichen Sprache Aramäisch. Übersetzt lautet sie: „Jakob, Sohn von Josef, Bruder von Jesus“. Das Gefäß, vermutlich im Jahr 63 nach Christi verwendet, ist eine Urne.

Für den französischen Philologen und Schriftexperten André Lemaire, der auf Einladung des noch anonym gehaltenen Urnenbesitzers als Erster die Inschrift untersucht hat, steht jedenfalls fest, dass es sich bei dem erwähnten Jesus um den biblischen Jesus von Nazareth handeln müsse, schreibt die US-Fachzeitschrift Biblical Archeology Review. Zwar seien die in der Inschrift erwähnten Namen zur Entstehungszeit der Gebeinkiste sehr gebräuchlich gewesen (Lemaire errechnete, dass bei einer für damals in Jerusalem angenommenen Population von 80.000 Einwohnern das Verwandtschaftsverhältnis „Jakob, Sohn von Josef, Bruder von Jesus“ auf mindestens 20 Personen zutreffen müsste), allerdings, räumt der Forscher ein: „Die Erwähnung des Bruders eines Toten auf den Urnen ist damals unüblich gewesen.“ Daher müsse es sich bei dem erwähnten Bruder Jesus jedenfalls um eine sehr bekannte Persönlichkeit gehandelt haben.

Jakob der Gerechte, der Führer der christlich-jüdischen Kirche nach der Kreuzigung von Jesus Christus, wird in der Bibel mehrfach als „Bruder von Jesus“ bezeichnet. Protestanten glauben, er war der leibliche Bruder Jesu, östliche orthodoxe Kirchen halten ihn für seinen Stiefbruder - gezeugt von Josef mit einer anderen Frau vor Maria. Und Katholiken sehen im Wort „Bruder“ ein Idiom, erkennen Jakob lediglich als Cousin Jesu an.

Sehr skeptisch

Ein Vertreter der Bibelschule in Jerusalem zeigte sich gegenüber dem wissenschaftlichen Wert des Fundes skeptisch: Er glaube nicht, dass sich der Name Jesus auf eine Berühmtheit beziehe, sagte Jean-Michel de Tarragon. Lemaire zufolge bewahrten Juden bis zur Zerstörung des Tempels von Jerusalem um 70 nach Christus die Überreste von Familienangehörigen häufig in Gebeinkisten auf. (fei/DER STANDARD, Printausgabe)

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    Washington - Ein französischer Forscher von der Sorbonne in Paris will den archäologisch ältesten Hinweis auf die historische Existenz von Jesus Christus entdeckt haben: eine Gravur.

    Ein Gefäß aus Sandstein, gefunden in einer Höhle in Jerusalem und lange Zeit vor der Öffentlichkeit verborgen in einer privaten Sammlung in Israel verwahrt, trägt eine Inschrift in der altertümlichen Sprache Aramäisch. Übersetzt lautet sie: „Jakob, Sohn von Josef, Bruder von Jesus“. Das Gefäß, vermutlich im Jahr 63 nach Christi verwendet, ist eine Urne.

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    Für den französischen Philologen und Schriftexperten André Lemaire, der auf Einladung des noch anonym gehaltenen Urnenbesitzers als Erster die Inschrift untersucht hat, steht jedenfalls fest, dass es sich bei dem erwähnten Jesus um den biblischen Jesus von Nazareth handeln müsse, schreibt die US-Fachzeitschrift Biblical Archeology Review. Zwar seien die in der Inschrift erwähnten Namen zur Entstehungszeit der Gebeinkiste sehr gebräuchlich gewesen (Lemaire errechnete, dass bei einer für damals in Jerusalem angenommenen Population von 80.000 Einwohnern das Verwandtschaftsverhältnis „Jakob, Sohn von Josef, Bruder von Jesus“ auf mindestens 20 Personen zutreffen müsste), allerdings, räumt der Forscher ein: „Die Erwähnung des Bruders eines Toten auf den Urnen ist damals unüblich gewesen.“ Daher müsse es sich bei dem erwähnten Bruder Jesus jedenfalls um eine sehr bekannte Persönlichkeit gehandelt haben.

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    Jakob der Gerechte, der Führer der christlich-jüdischen Kirche nach der Kreuzigung von Jesus Christus, wird in der Bibel mehrfach als „Bruder von Jesus“ bezeichnet. Protestanten glauben, er war der leibliche Bruder Jesu, östliche orthodoxe Kirchen halten ihn für seinen Stiefbruder - gezeugt von Josef mit einer anderen Frau vor Maria. Und Katholiken sehen im Wort „Bruder“ ein Idiom, erkennen Jakob lediglich als Cousin Jesu an.

    Sehr skeptisch

    Ein Vertreter der Bibelschule in Jerusalem zeigte sich gegenüber dem wissenschaftlichen Wert des Fundes skeptisch: Er glaube nicht, dass sich der Name Jesus auf eine Berühmtheit beziehe, sagte Jean-Michel de Tarragon. Lemaire zufolge bewahrten Juden bis zur Zerstörung des Tempels von Jerusalem um 70 nach Christus die Überreste von Familienangehörigen häufig in Gebeinkisten auf. (fei/DER STANDARD, Printausgabe)

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