Sündteurer Ausbau - aber das Intervall der S7 bleibt gleich

22. Oktober 2002, 17:11
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Die Flughafen-Schnellbahn wird nach einer Investition von 342 Millionen Euro doch nur - wie vor dem Ausbau - jede halbe Stunde zum Airport fahren.

Wien - Jahrezehnte lang geschah nichts. 1998 dann endlich der Startschuss - und seither wird auf Hochtouren gearbeitet, um die Flughafenschnellbahn S7 zweigleisig auszubauen. Insgesamt 342 Millionen Euro wurden und werden investiert - mit dem einzigen Effekt, dass die Fahrgäste vorerst ein bisserl schneller von der Innenstadt zum Airport kommen. Denn die S7 wird ab 15. Dezember weiterhin nur im 30-Minuten-Takt fahren - die versprochene Verdichtung auf 15 Minuten fällt nach gescheiterten Verhandlungen zwischen ÖBB und Stadt Wien flach.

Grundlage für diese Entscheidung sei der derzeit gültige "Verkehrsdienstevertrag", wie in einer Aussendung der ÖBB argumentiert wird. Und da die Stadt Wien nicht mehr zahlen will und man sich auf keinen neuen Vertrag einigen konnte, bleibt es bei den "alten" 30 Minuten-Intervallen.

Intensivierung für 2003 in Vorbereitung

Seitens der ÖBB wird aber versichert, dass man "eine Intensivierung des Verkehrs auf der neuen Strecke mit Fahrplanwechsel 2003" vorbereite. Da werde einerseits im Dezember der Flughafen Express den Betrieb aufnehmen, der nonstop zum Airport fährt, aber auch deutlich mehr kostet. Auch die S7-Intervalle sollen laut ÖBB verdichtet werden - je nach Umsetzung der Stadtentwicklungsgebiete im 3. und 11. Bezirk.

Und Vorteile gebe es ja: Die S7 werde mit neueren Garnituren verkehren - und mit einer Fahrzeit von 22 Minuten deutlich schneller sein.

Die Stadt Wien hatte zuletzt einen 20-Minuten-Takt forciert - aber dies hätte Probleme bei der Einbindung in die S-Bahn-Stammstrecke zwischen Floridsdorf und Meidling sowie unnötig lange Wartezeiten zur Folge gehabt, argumentieren die ÖBB.

Der Wiener Finanzstadtrat Sepp Rieder (SP) will hingegen zu einer Gesamtlösung kommen. Die Verdichtung der S7 werde daher gleichzeitig mit dem neuen Verkehrsdienstevertrag verhandelt. Grundsätzlich wolle er nach wie vor einen 20-Minuten-Takt erreichen. "Zuvor muss aber die verkehrstechnische Frage gelöst werden, ob ein solcher Takt ohne Ausdünnung der dichten Zugfolgen auf der Stammstrecke überhaupt möglich ist."

Empörung bei Fahrgastvertretern

Der Verein "Fahrgast" und die AG Verkehrspolitik reagierten auf diese Nicht-Einigung "empört". Es sei wohl eine österreichische Besonderheit, dass derartige Projekte infrastrukturseitig realisiert werden dürfen, ohne dass schon vorher festgelegt werde, welches Angebot es auf dieser Strecke geben soll. (frei; DER STANDARD, Printausgabe, 23.11.2002)

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