24-jähriger Bayer wegen Mordes an Peggy angeklagt

22. Oktober 2002, 19:38
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Insasse von psychiatrischer Klinik gestand die Tat - Versteck der Leiche noch unbekannt

Der Mord an der neunjährigen Peggy aus Lichtenberg (Bayern) vom Mai 2001 ist nach Polizeiangaben geklärt: Ein 24-jähriger Ortsansässiger, der wegen Sexualdelikten an Kindern im Vorjahr in die Psychiatrie eingewiesen worden ist, hat gestanden, das Kind erstickt zu haben. Die Leiche des am 7. Mai 2001 verschwundenen Mädchens wurde bisher jedoch nicht gefunden.

Die Staatsanwaltschaft Hof sprach am Dienstag von einem "dringenden Tatverdacht" und will Anklage wegen "Verdeckungsmordes" erheben. Wie Staatsanwaltschaft und Polizei in Hof mitteilten, verging sich Ulv K. am 3. Mai 2001 sexuell an Peggy. Am 7. Mai 2001 habe er sie "abgepasst" und aus Angst vor der Entdeckung getötet.

Alibi

Die sexuellen Vergehen an Kindern, darunter auch Peggy, waren bereits im August vergangenen Jahres der Polizei bekannt geworden. Kurz danach, im September, wurde der Mann in die Psychiatrie des Krankenhauses Bayreuth eingewiesen.

Bereits im Juli des Vorjahres hat K. die Tötung Peggys mehrmals gestanden, im Gespräch mit einem Psychiater aber wieder bestritten. Ein damals vorgelegtes Alibi des Verdächtigen sei ursprünglich geglaubt worden, hieß es am Dienstag. Peggys Mutter hatte den 24-Jährigen aus der Nachbarschaft bereits kurz nach dem Verschwinden des Mädchens verdächtigt.

Die Polizei sieht es als erwiesen an, dass sich der Mann am 3. Mai an Peggy vergangen hatte. Vier Tage später habe er das Kind, das zuvor öfter in seiner Wohnung gespielt hatte, auf dem Heimweg von der Schule abgepasst. Die Ermittler berichteten, erst die erneute Befragung eines Zeugen im Frühjahr habe zu Tage gebracht, dass der 24-Jährige am 7. Mai nur wenige Meter von Peggys Wohnung entfernt gewartet hatte.

Die Leiche wurde bisher nicht gefunden

Bei seiner neuerlichen Vernehmung habe der mutmaßliche Täter jetzt angegeben, dass er Peggy von einer Aussage bei der Polizei abbringen wollte. Sie flüchtete auf einen Weg, der direkt ins unwegsame Gebiet unterhalb des örtlichen Burgberges führte. Am Treppenaufgang zum Burgberg habe er sie schließlich eingeholt und gepackt. Sie habe geschrien und gedroht, alles ihren Eltern zu verraten. "Daraufhin hielt er Mund und Nase zu, bis sie sich nicht mehr rührte", schilderte ein Ermittler den Tatablauf. K. habe danach seinen Vater, den Pächter des auf dem Burgberg gelegenen Lokals, um Hilfe beim Beseitigen der Leiche gebeten. Diese wurde bisher nicht gefunden.

Der Vater bestreitet bisher diese Angaben, allerdings haben Ermittlungen einer Sonderkommission Lücken in seinem Alibi für den fraglichen Zeitraum ergeben. Er würde aber in jedem Fall straffrei davon kommen, weil es sich dabei um eine Strafvereitelung zu Gunsten seines Sohnes handeln würde. Peggys Mutter wurde am Montag von den Erkenntnissen der Polizei informiert. (APA/AP/dpa)

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