Nabelschnur-Stammzellen vervielfacht

22. Oktober 2002, 14:46
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Medizin hofft nun auf Behandlungsmöglichkeit leukämiekranker Erwachsener

London - Forschern des Fred Hutchinson Cancer Research Centers in Seattle ist es gelungen, Stammzellen im humanen Nabelschnurblut deutlich zu vervielfachen. Bislang reichten Stammzellen aus einer Nabelschnur lediglich für die Behandlung eines Leukämie kranken Kindes. Mit der neuen Technik hoffen die Forscher genügend Zellen zur Behandlung Erwachsener bereit stellen zu können. Einige Forscher wiederum warnen: Bis dato ist nicht geklärt, ob die Vervielfachung dieser Zellen in einem frühen Stadium ihre Fähigkeit zur Selbsterneuerung zu einem späteren Zeitpunkt nicht schmälert.

Das Team um Irwin Bernstein setzte humane Stammzellen einem Molekül namens Delta-1 aus. Der einfachste Typus von Blut-Stammzellen vermehrte sich laut Angaben der Forscher um das Hunderfache. Zurückzuführen sei dies auf die Wirkung von Delta-1, permanent ein Signal zu geben, das die Stammzellen zur Selbsterneuerung anregt, berichtet New Scientist in seiner aktuellen Online-Ausgabe. Im Anschluss wurden die vervielfachten Zellen in Leukämie kranke Mäuse implantiert. Die Zellen frischten das Blut mit roten und weißen Zellen auf. Ob die Vervielfachung der Nabelschnurstammzellen zur gängigen Praxis wird, sollen weitere Sicherheits- und Wirksamkeitstests zeigen. Läuft alles nach Plan rechnet Bernstein mit der ersten Anwendung in zwei bis drei Jahren.

Laut Befürwortern der Verwendung von Nabelschnurblut ist dieses als Quelle neuer Blut- und Immunzellen eine vielversprechende Alternative zur Knochenmark-Transplantation. Knochenmark ist rar, wird aber für die Behandlung von Bluterkrankungen wie Leukämie als Quelle gesunder, blutbildender Zellen benötigt. Aber auch Nabelschnurblut ist reich an hämatopoetischen Stammzellen. Zudem können sich die Stammzellen in jede Blutzellen-Art entwickeln, Stammzellen der Nabelschnur würden sich darüber hinaus schneller als Zellen des Knochenmarks entwickeln. Beim Empfänger sollen die Nabelschnurblut-Stammzellen weniger häufig eine Immunreaktion auslösen. (pte)

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