Liebscher widerspricht "Teuro"-Kritikern

22. Oktober 2002, 14:35
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Statistik sagt anderes - HVPI "sehr verlässlicher Inflationsindikator"

Wien - Die "gefühlte Inflation" werde mit der tatsächlichen Inflation oft verwechselt, beklagte der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), EZB-Ratsmitglied Klaus Liebscher, am Dienstag im Zusammenhang mit der seit der Euro-Bargeldeinführung laufenden "Teuro"-Debatte. Empirisch sei belegt, dass der Teuerungseffekt "sehr gering" gewesen sei. In einem Vortrag anlässlich des Tages der Amtlichen Statistik verwies Liebscher dabei auf die zentrale Rolle des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) zur Beurteilung der Zielerreichung der einheitlichen Geldpolitik. Dieser HVPI sei inzwischen ein "sehr verlässlicher Inflationsindikator", der - wie Liebscher anmerkte - nicht die individuell "gefühlte", sondern die tatsächliche Inflation wiedergebe.

Der OeNB-Gouverneur, der zum Thema "Die Rolle der Statistik für die einheitliche Geldpolitik" referierte, unterstrich, dass eine unabhängige Amtliche Statistik ein "unverzichtbares Element der Infrastruktur jeder modernen Demokratie" sei. Politische Entscheidungen ohne verlässliche Datenbasis sind nach Liebschers Worten "wie eine Fahrt in dichtem Nebel ohne Nebelscheinwerfer". Dies gelte insbesondere für die einheitliche Geldpolitik, deren Ziel es sei, Preisstabilität im Euroraum sicher zu stellen.

Zu dem im Mai 2002 vereinbarten Kooperationsvertrag zwischen Statistik Austria und OeNB sagte Liebscher, dass damit künftig noch enger zusammen gearbeitet werden soll. Erklärtes Ziel sei, die weiter stark wachsenden, vor allem europäischen Daten-Erfordernisse effizienter zu erfüllen und so auch die Belastung der Melder möglichst gering zu halten. Als eine der ersten Aufgaben der engeren Kooperation nannte Liebscher die Erstellung der Zahlungsbilanz. Ferner soll bis 2005 ein modernes Erhebungssystem für die Außenwirtschaft erstellt werden, um europäische Anforderungen erfüllen zu können.(APA)

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