Terrorangst: Deutsche ändern Urlaubspläne

24. Oktober 2002, 14:18
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Umfrage zeigt Auswirkungen bei Wahl der Urlaubsziele - Große Probleme für die deutsche Reisebranche

Köln/München - Wegen der Terroranschläge auf der indonesischen Insel Bali will einer Umfrage zufolge jeder dritte Deutsche seine Urlaubspläne ändern. Nach einer am Montag veröffentlichten Forsa-Umfrage kommen für 78 Prozent der Bundesbürger Reisen in ein islamisches Land derzeit überhaupt nicht in Frage.

Der Deutsche Reisebüroverband (DRV) befürchtet wegen der Anschläge, aber auch wegen der Konjunkturkrise Liquiditätsprobleme für viele Agenturen. Eine Trendwende könne die Branche im kommenden Jahr nur bei stabilen weltpolitischen Verhältnissen erwarten, sagte DRV-Chef Klaus Laepple. Schon 700 Reisebüros seien dieses Jahr in die Pleite gegangen.

Befragung

Der Forsa-Umfrage im Auftrag des Fernsehsenders RTL zufolge will mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Bundesbürger die Reisepläne nach dem Attentat von Bali überdenken. 49 Prozent wollten unverändert an ihren Urlaubsplänen festhalten; die übrigen 15 Prozent hätten sich über ihren Urlaub noch keine Gedanken gemacht oder verreisten nicht.

Vier von fünf Befragten wollen den Angaben zufolge auf keinen Fall nach Bali reisen. Knapp 70 Prozent wollten von einem Besuch in Tunesien und Ägypten nichts mehr wissen. Fast jeder Zweite lehne in näherer Zukunft auch einen Urlaub in der Türkei ab. Für die Umfrage erkundigte sich das Forsa-Institut zwischen dem 14. und dem 18. Oktober bei 1002 Bundesbürgern nach ihren Urlaubsplänen.

Branche leidet

DRV-Chef Klaus Laepple sagte der "Süddeutschen Zeitung", er hoffe, dass sich die die allgemeine Zurückhaltung der Urlauber nicht vollständig auf Asien auswirke. Im laufenden Jahr seien die Aussichten allerdings düster: "Reisebüros, die 2002 einen Gewinn machen, werden Sie mit der Lupe suchen müssen", sagte Laepple. Bereits vor den Anschlägen auf Bali hatte der Weltreiserat die Verluste, die der deutschen Reisebranche für die Jahre 2001 und 2002 durch die gesunkene Nachfrage entstünden, auf insgesamt rund 25,6 Milliarden Euro beziffert.

Zwar seien 700 Pleiten bei insgesamt über 20.000 Reisebüros in Deutschland "nicht viel", sagte Laepple. Vor allem Kleinstagenturen und Mischgeschäfte wie Lotto-Toto-Annahmestellen hätten sich nicht halten können. Doch auch größere Reisebüros könnten demnächst zahlungsunfähig werden, weil sie von den Reiseveranstaltern in diesem Jahr keine Zusatzprovisionen für besonders gute Geschäfte erwarten könnten, sagte Laepple. Ob das Reisebüro-Sterben weitergehe, hänge nun vor allem vom Umgang der Banken mit der Liquiditätskrise vieler Agenturen ab.

Zuwächse im kommenden Jahr?

Schon im kommenden Jahr kann die Branche nach Schätzung des DRV wieder Umsatzzuwächse zwischen vier und sechs Prozent erwarten. Voraussetzung sei allerdings, dass die weltpolitische Lage stabil bleibe, betonte Laepple. Für den Fall eines Kriegs gegen Irak hätten die Touristikunternehmen bereits Vorsorge getroffen: Urlauber, die Reisen in die betroffene Region gebucht hätten, könnten dann in andere Reiseländer "umgelenkt" werden. Die Devise laute dann: "Go West". (APA/red)

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