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22. Oktober 2002, 13:36
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Jobsuche in Zeiten der Konjunkturschwäche ist für Frauen besonders schwierig - Internetplattformen speziell für Frauen sind deshalb besonders gefragt

Jobsuche in Zeiten der Konjunkturschwäche ist für Frauen besonders schwierig. "Im Moment sind die Prioritäten der Unternehmen leider etwas anders gelagert, als großartig etwas für Frauen zu tun", erzählt Manuela Lindlbauer, Leiterin der Wiener Zweigstelle der Personalberatungsfirma powerfrauen.com.

Immer weniger Firmen könnten oder wollten es sich in der momentanen Phase leisten, auf frauenspezifische Bedürfnisse einzugehen. Teilzeitmodelle etwa seien "kostenaufwändiger als Vollzeitarbeit, weil eine Teilzeitkraft im Verhältnis immer mehr verdient und weil Schulungsmaßnahmen sich nie so für das Unternehmen rentieren", berichtet Lindlbauer.

Einer speziell auf Frauen ausgerichteten Job- und Weiterbildungsvermittlung via Internet kommt nicht zuletzt deshalb besondere Bedeutung zu. Lindlbauers Firma etwa bietet Coaching und Beratung vor allem für Frauen in gehobeneren Positionen. Das ursprünglich in Linz beheimatete, seit 1. Oktober auch von Wien aus agierende Start-up-Unternehmen sieht sich als Schnittstelle zwischen Firmen und Arbeitssuchenden. Das Angebot reicht von Arbeitsplatzanalyse, Karriereberatung, Mentoring über Personaltraining bis zum Aufbau eines Kontaktnetzwerkes von Frauen zwecks Erfahrungsaustausch zwischen berufserfahrenen Frauen und Einsteigerinnen. Die Kosten für eine Einzelberatung belaufen sich auf 90 Euro, wobei die Stellenvermittlung gratis ist.

Kommunizieren

Die Statistik des Arbeitsmarktservices deutet ebenfalls auf eine Verschlechterung hin: im September waren österreichweit 93.068 Frauen arbeitslos gemeldet, das sind 8,4 Prozent mehr als im Vorjahr (zum Vergleich: 106.712 arbeitslose Männer und eine Steigerung von 14 Prozent).

"In der Altersstufe zwischen 40 und 50 ist es sehr schlimm", bestätigt Edith Dieker von Business Professional Women (BPW) den allgemeinen Trend. "Wenn eine Firma beim Personal einspart, sind es zuerst die Frauen, die ausfallen." Diekers Rezept ist das Herstellen einer Kommunikationsplattform, die - wie powerfrauen.com - zu einem Gutteil vom Internet ausgeht. Als Non-Profit-Organisation organisiert BPW österreichweit Veranstaltungen wie Workshops, Seminare, Diskussionsrunden, aber auch gesellige Treffen.

Das business.frauen.center wiederum kümmert sich um Gründerinnen. Mit ihren Angeboten bieten sie langfristige und dauerhafte Begleitung mittels Newsletter, Netzwerktreffen, Fachcoachings, Workshops und der business.frauen.school, einem halbjährigen Marketing-Intensivtraining.

Dabei wäre weibliche Geschäftsgebarung volkswirtschaftlich gesehen ideal: Laut einer Studie des Hamburger Senatsamtes für Gleichstellung sind Frauen als Gründerinnen risikobewusster, aber auch vorsichtiger: "Sie scheitern seltener als Männer." (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.10.2002)

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