Sörensen schürt Spekulationen um eigene AUA-Billigairline

24. Oktober 2002, 10:43
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Airline-Chef fürchtet Billigflieger-Hub in Bratislava und will "kraftvoll antworten"

Wien - AUA-Vorstandsvorsitzender Vagn Sörensen hat Pläne für die Gründung einer eigenen Billigfluggesellschaft bestätigt. Die auf den Markt drängenden Niedrigpreis-Airlines könnten mittelfristig ihren Marktanteil in Europa von derzeit 6 auf rund 25 Prozent ausweiten, schätzt er. Die Austrian Airlines-Gruppe könne diesem Angriff kurzfristig Aktionspreise entgegensetzen. "Längerfristig brauchen wir aber sicher etwas Kraftvolleres", sagte Sörensen am Montagabend im Zigarrenklub in Wien. "Das Kraftvollste ist eine eigene Billigairline", meinte Sörensen.

Einen solchen Schritt dürfte die Luftfahrtgruppe mit den Gesellschaften AUA, Lauda Air und Tyrolean Airways vornehmen, sobald Billigflieger eine unmittelbare Gefahr für die AUA in Wien darstellen. Wien selbst werde wohl kein Billiganbieter zu einem Drehkreuz ("hub") ausbauen, sagte Sörensen, denkbar sei dies aber bei einer "Stadt nahe Wien" nach der EU-Erweiterung. Derzeit operiert bereits die Billigfluglinie SkyEurope vom nur rund 50 Kilometer von Wien entfernten Flughafen der slowakischen Hauptstadt Pressburg/Bratislava.

Platz für Nischenanbieter

Etablierte Fluglinien hätten jedenfalls auch in Zukunft eine Daseinsberechtigung. Neben drei großen Gesellschaften in Europa hätten auch Nischenanbieter wie die AUA ihren Platz. Billigcarrier konzentrierten sich auf die verkehrsreichsten Strecken und würden etwa nie eine Strecke Temesvar-Lyon bedienen. Die Geschichte zeige, dass Direktverbindungen nur über Netzwerke aufrecht zu erhalten seien: Das war bei den Römerstraßen oder der Seidenstraße ebenso der Fall wie bei den Transportwegen der Inka oder der Wikinger.

"Paradoxe Wertschöpfungskette"

Insbesondere beklagt Sörensen die "paradoxe Wertschöpfungskette in der Luftfahrt", in der alle Lieferanten große Gewinne machen, die am Schluss der Kette stehenden Fluggesellschaften aber Verluste, die dann auf die Kunden überwälzt werden müssten. Viele dieser insgesamt etwa 60 Unternehmen - wie Bodenabfertigung, Catering, Flugzeughersteller, Reisebüros - seien Monopole oder Oligopole. Ein Regulator sollte hier für "gleich bleibenden Wettbewerbsdruck" sorgen, fordert der AUA-Chef.

Unmäßige Belastungen

Der Regulator müsse auch gegen unmäßige Belastungen der Luftfahrtbranche vorgehen. Es sei nämlich nicht einzusehen, dass die Fluglinien selbst für erhöhte Sicherheitskosten aufkommen müssten, während Verkehrsmittel wie Bus oder Bahn solche Ausgaben nicht hätten. Der Regulator müsse nicht neu geschaffen werden, "es muss nur umgesetzt werden, was es bereits gibt", sagte der AUA-Chef. Auch die heimische Politik müsse sich auf EU-Ebene stärker für ein Ende der Subventionspolitik einsetzen. Das nehme den Fluggesellschaften den Anreiz, ihre Effizienz aus eigener Kraft zu steigern. (APA)

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