Innerkoreanische Gespräche nach Streit um Atomprogramm unterbrochen

22. Oktober 2002, 15:46
1 Posting

Bush setzt auf internationalen Druck gegen Nordkorea

Seoul/Washington/Peking/Moskau - Der Streit um das nordkoreanische Atomprogramm hat am Dienstag die innerkoreanischen Gespräche in Seoul blockiert. Die Delegation aus Pjöngjang lehnte Medienberichten zufolge den Wunsch Südkoreas nach einer gemeinsamen Erklärung ab, in der es sich zu dem Anti-Atom-Abkommen von 1994 bekennen sollte. Die Südkoreaner hätten bereits zweimal den Verhandlungstisch verlassen wollen; beide Male habe aber der nordkoreanische Delegationsleiter Kim Ryong Song seinen südkoreanischen Kollegen und Wiedervereinigungsminister Jeong Se Hyun zu Vier-Augen-Gesprächen gebeten.

Den Angaben zufolge beharrte Nordkorea auf einem Passus in der Erklärung, in dem Washington wegen seiner "feindlichen Politik" gegenüber Pjöngjang Mitschuld an der derzeitigen Krise gegeben wird.

Bolton: Pjöngjang nicht sicher im Besitz von Atomwaffe

Derweil erklärte US-Vizeaußenminister John Bolton, die USA seien sich nicht sicher, ob Nordkorea bereits über Atomwaffen verfüge. Vielmehr habe Washington stets gesagt, dass die kommunistische Führung daran arbeite, angereichertes Uran herstellen zu können, sagte Bolton bei einem Besuch in Moskau. Allein das stelle einen "schweren Verstoß" gegen den 1994 mit den USA abgeschlossen Vertrag dar. Darin hatte sich Nordkorea verpflichtet, sein Atomwaffenprogramm einzufrieren. Im Gegenzug sollte ein internationales Konsortium zwei Leichtwasser-Atomkraftwerke bauen.

Bush setzt auf internationalen Druck gegen Nordkorea

Die US-Regierung will Nordkorea mit internationalem Druck dazu bringen, sein Atomwaffenprogramm aufzugeben. Er wolle der Bedrohung auf friedlichem Wege und in Zusammenarbeit mit den Verbündeten begegnen, sagte US-Präsident George W. Bush in Washington. Unterdessen bemühten sich südkoreanische Unterhändler am Dienstag in Gesprächen mit Vertretern aus Pjöngjang um ein Einlenken des Nordens im Atomstreit. China hat Nordkorea und die USA aufgefordert, zu der Abrüstungsvereinbarung von 1994 zurückzukehren; danach wollte Nordkorea sein Atomprogramm einfrieren und sollte im Gegenzug zwei Leichtwasserreaktoren bekommen.

"Ich betrachte dies als eine Möglichkeit, mit unseren Freunden in der Region zusammenzuarbeiten", sagte Bush am Montag. Gemeinsam wolle man Nordkorea von der Notwendigkeit der Abrüstung überzeugen. Er äußerte sich damit erstmals zu dem international heftig kritisierten nordkoreanischen Waffenprogramm, mit dem Pjöngjang gegen ein Abkommen mit den USA verstößt. "Wir haben entdeckt, dass sie Uran anreichern, um damit eine Atomwaffe zu entwickeln", sagte der US-Präsident. "Wir dachten, sie hätten uns ihr Wort gegeben, dass sie das nicht tun würden." Er kündigte an, am Rande des APEC-Treffens am Wochenende in Mexiko mit den Staats- und Regierungschefs aus China, Japan und Südkorea über das Thema sprechen zu wollen.

"Grosses Geschrei der USA

Nach südkoreanischen Angaben weigerte sich die nordkoreanische Seite bei den Gesprächen in Pjöngjang, in einer gemeinsamen Abschlusserklärung auf den Streit um das Atomwaffenprogramm einzugehen. Für Dienstag war eine abschließende Sitzung der seit Sonntag andauernden Verhandlungen auf Ministerebene geplant, bei der die Unterhändler sich um einen Kompromiss bemühen wollten.

Staatliche nordkoreanische Medien riefen am Dienstag die USA auf, anstatt auf Konfrontation auf Versöhnung und Frieden zu setzen. "Die USA fordern jetzt eine Abrüstung Nordkoreas und veranstalten großes Geschrei über eine 'Bedrohung'", schrieb das KP-Organ "Rodong Sinmun" in einem Kommentar. "Aber zu einem solchen Aufruhr besteht kein Anlass, und er wird zu nichts führen."

Rahmenabkommen erfüllen

Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Liu Jianchao, sagte am Dienstag vor Journalisten in Peking, "alle betroffenen Parteien sollten das Rahmenabkommen gewissenhaft erfüllen". Die Vereinbarung sei wichtig für Frieden, Stabilität und den Nuklearabbau der koreanischen Halbinsel. Es sei zwar eine Angelegenheit der betroffenen Länder, aber "auch von Sorge für China". Dialog sei der wirksamste Weg, das Problem zu lösen. (APA/AP/dpa)

Share if you care.