Heckenschütze droht mit Anschlägen auf Kinder

23. Oktober 2002, 15:16
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"Eure Kinder sind nicht sicher, nirgendwo und niemals" - Eltern überwachen Schulgelände - "Sniper" fordert angeblich zehn Millionen Dollar

Washington - Der Heckenschütze, der mit seinen Anschlägen im Großraum Washington für Angst und Schrecken sorgt, bedroht nun auch Kinder. "Eure Kinder sind nicht sicher, nirgendwo und niemals", zitierte der Polizeichef vom Bezirk Montgomery im US-Bundesstaat Maryland Charles Moose aus einem Schreiben des mutmaßlichen Täters.

Forderung

Die Zeitung "Washington Post" berichtete am Mittwoch, der Schütze verlange in dem Schreiben zudem zehn Millionen Dollar (10,24 Mill. Euro). Ansonsten werde er weiter töten. Nach Medienberichten soll eine zweite Nachricht im US-Bundesstaat Maryland gefunden worden sein. In der Nähe war am Dienstag ein Busfahrer erschossen worden. Ob diese Tat auch auf das Konto des Heckenschützens geht, sollten ballistische Untersuchungen der Polizei ergeben.

Nachrichtenfund

Die erste Nachricht fand die Polizei nach Mooses Worten in Ashland im Bundesstaat Virginia, wo am Samstag ein Mann erschossen wurde, als er mit seiner Frau ein Restaurant verließ. In dem Schreiben soll der Schütze von der Polizei die Überweisung von zehn Millionen Dollar auf ein Bankkonto binnen zwei Tagen verlangt haben, berichtete die "Washington Post" unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Kreise. In dem Schreiben werde die Polizei als inkompetent bezeichnet und auf sechs Anrufe des Schützen hingewiesen, die die Exekutive ignoriert habe.

Zweites Schreiben

Die Zeitung "Baltimore Sun" berichtete unter Berufung auf Ermittlungskreise von einem zweiten Schreiben, das die Forderungen der ersten Mitteilung wiederhole. Es sei am Dienstag in einem Park in Aspen Hill im Bezirk Montgomery gefunden worden. In der Nähe war am Dienstagmorgen ein Busfahrer in die Brust geschossen worden. Der 35-Jährige starb nach Polizeiangaben im Krankenhaus an seinen Verletzungen.

Polizei versucht Kontaktaufnahme

Offenbar als Antwort auf das erste Schreiben sagte Moose in einer vom Fernsehen übertragenen Botschaft an den Heckenschützen: "Wir haben die Möglichkeiten, die sie genannt haben geprüft und festgestellt, dass es aus technischen Gründen nicht möglich ist, sie so zu erfüllen, wie Sie es gefordert haben. Sie haben angedeutet, dass es um mehr geht, als um Gewalt. Wir warten darauf, von Ihnen zu hören", sagte Moose weiter. Er fügte hinzu, es sei wichtig, dass nicht noch mehr Menschen verletzt würden. Moose wies darauf hin, dass die Polizei daran interessiert sei, den Dialog fortzusetzen. Die Person könne auch über ein privates Postfach mit der Polizei kommunizieren.

Keine Schulaktivitäten im Freien

Alle Taten ereigneten sich in Vororten Washingtons, die in den Bundesstaaten Maryland und Virginia liegen. Unter den Opfern, die durch einen Schuss verletzt worden waren, ist auch ein 13-Jähriger. Er war vor seiner Schule angeschossen worden. Ballistische Gutachten ergaben, dass alle Schüsse aus derselben Waffe abgegeben wurden. Der Schütze gab jeweils nur einen Schuss ab und zwar aus großer Entfernung und verschwand dann spurlos.

Wegen des Snipers haben Schulen jegliche Aktivität, die draußen stattfindet, gestrichen. Schüler müssen während der Schulzeit im Gebäude bleiben. Eltern meldeten sich freiwillig, um Schulgelände zu überwachen. (APA)

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