"Unmenschliche Caritas"

22. Oktober 2002, 15:37
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Falter: Innenminister Ernst Strasser wirft Flüchtlingsorganisationen vor, Notleidende als "Faustpfand" zu verwenden

Wien - Mit scharfen Vorwürfen gegen Flüchtlingsorganisationen reagiert Innenminister Strasser (ÖVP) auf die anhaltende Kritik an seiner Flüchtlingspolitik. Im Interview mit der Wiener Stadtzeitung "Falter" wirft er den NGOs vor, die Füchtlinge für ihre Zwecke zu instrumentalisieren: "Die Flüchtlingsorganisationen sollen Notleidende nicht als Faustpfand nehmen, weil sie mit dem Innenminister unzufrieden sind." Insbesondere der Caritas wirft Strasser "Frivolität" und "Unmenschlichkeit" vor.

Die Verantwortung dafür, dass viele Menschen nun in Notquartieren untergebracht werden müssen, will der Innenminister nicht übernehmen. Vielmehr würden die Menschen "unter falschen Hoffnungen" nach Österreich kommen. Viele Organisationen würden den Asylbewerbern eine Unterkunft in Notlagern gewähren, obwohl ihre Anträge keine Aussicht auf Erfolg haben würden. Strasser: "Das ist nicht aufrichtig."

Lösung: "Schnelle Rückkehrberatung"

Als Lösung für die übervollen Notlager etwa auf der Baumgartner Höhe preist Strasser "die schnelle Rückkehrberatung" an. Und er fügt hinzu, dass es genug Plätze geben würde, da die Bundesbetreuung mehr als verdoppelt worden sei. Einen Teil der Verantwortung tragen laut Strasser auch die Länder: Würden sich diese an ihre Vereinbarungen halten, "hätten wir noch mehr Plätze". Angesprochen auf die große Anzahl an offenen Asylverfahren, weist der Innenminister auf Verbesserungen hin, die er erreicht habe: "Wir haben es geschafft, dass die Verfahren in erster Instanz auf drei Monate verkürzt wurden. Was aber viel wichtiger ist: Wir haben den Schleppern das Geschäft vermasselt."

Die breite Kritik von Hilfsorganisationen sieht Strasser dennoch mit Gelassenheit: "Noch nie habe ich so viel Kritik über mich ergehen lassen müssen und im gleichen Atemzug so eine große Zustimmung der Bevölkerung erlebt."(red/fer)

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