Lamsdorff: "Möllemann hat sich wie Selbstmordattentäter benommen"

22. Oktober 2002, 13:46
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FDP- Ehrenvorsitzender übt scharfe Kritik an Ex- FDP- Vize - Partechef Westerwelle ist die "Ära Möllemann" "ein für alle Mal beendet"

Berlin - Nach der Affäre um die möglicherweise illegale Finanzierung eines israelkritischen Flugblattes sieht FDP-Chef Guido Westerwelle für den zurückgetretenen nordrhein-westfälischen Landeschef Jürgen Möllemann keine Zukunft bei den Liberalen mehr. "Diese Ära Möllemann ist ein für alle Mal beendet", sagte Westerwelle am Dienstag im "Südwestrundfunk". Möllemann habe mit seiner Flugblattaktion die gesamte Parteiführung hintergangen. Der FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff verglich Möllemann mit einem "Selbstmordattentäter", der sich politisch selbst in die Luft gesprengt habe.

Keine Zukunft für Möllemann in der FDP

Am Montagabend hatte sich der nordrhein-westfälische FDP-Landesvorstand darauf verständigt, dass die stellvertretende Landesvorsitzende Ulrike Flach auf einem Sonderparteitag als Nachfolgerin Möllemanns kandidieren soll. Westerwelles bisheriger Favorit Andreas Pinkwart soll stellvertretender Bundesvorsitzender werden.

"Politisch hat Jürgen Möllemann keine Zukunft mehr in der FDP", sagte Westerwelle. Der Parteichef hatte bereits am Montag angekündigt, dass die FDP Möllemann notfalls mit einer Klage zur Nennung der Spender für sein umstrittenes Flugblatt zwingen will, das den Liberalen unmittelbar vor den Bundestagswahlen am 22. September heftige Kritik eingebracht hatte. Die Parteispitze gab Möllemann - der Medienberichten zufolge derzeit auf Gran Canaria ist - bis Donnerstag Zeit, sich zu äußern.

Westerwelle ließ erkennen, dass er trotz der Affäre an der Grundlinie der Strategie 18 festhalten will, die von Möllemann eingebracht worden war. "Es bleibt bei der Strategie der FDP, dass wir uns auf alle Menschen im Volk zubewegen", sagte Westerwelle. Nach dem schwachen Ergebnis bei der Bundestagswahl hatte es in der FDP allerdings auch Kritik an der Linie gegeben, keine Koalitionsaussage zu Gunsten einer der großen Parteien getroffen zu haben. Westerwelle führte allerdings das Wahlergebnis in erster Linie auf die Affäre um das Möllemann-Flugblatt zurück.

Lambsdorff sagte im Deutschlandfunk, er rechne nicht damit, dass Möllemann eine neue Partei gründen werde. "Das können Sie vergessen. Alle solche Neugründungen sind nach kurzer Zeit gescheitert." Möllemann sei viel zu erfahren, um so etwas zu versuchen. Wie Westerwelle äußerte auch der FDP-Ehrenvorsitzende die Einschätzung, dass Möllemann keine politische Zukunft mehr hat. "Wenn der Vergleich nicht so bizarr wäre, dann müsste man sagen, er hat sich benommen wie ein Selbstmordattentäter. Er hat sich mit allem, was es so an Möglichkeiten gibt, selbst politisch in die Luft gesprengt", sagte Lambsdorff. (APA/Reuters)

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