Pröll will "die jüdische Tradition fortsetzen"

21. Oktober 2002, 19:04
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Badener Synagoge soll renoviert werden: um 2,9 Millionen Euro

Baden - "Modern ausstatten" werde man das Bethaus, sagt Thomas Schärf vom Jüdischen Synagogenverein Baden - und die kargen Spuren vergangenen Schmucks wahrscheinlich nicht ergänzen: weder die Metallsäulen im maurischen Stil noch die gewundenen Stiegen und die Spuren bunter Deckenmalereien.

Deckenmalereien nämlich, so Schärf, seien ein "teurer Spaß". Und die jüdische Gemeinde von Baden sei klein. Nur 200 Menschen in ganz Niederösterreich, deren Wille nach Synagogenreaktivierung sich erstmals zu dem Zeitpunkt kundgetan hatte, als schon der Abriss des Gebäudes beschlossen war: 1988.

Jetzt, 14 Jahre später, ist alles anders. Landeshauptmann Erwin Pröll persönlich verkündete die Einigung über die Wiederaufbaufinanzierung - am Montag, dem Tag vor seinem zehnjährigen Landeshauptmann-Jubiläum: "Ich glaube, es ist wichtig, dass die jüdische Tradition in Niederösterreich in dieser Form fortgesetzt wird", meinte er im STANDARD-Gespräch.

Letzten Endes seien "jüdische Niederösterreicher weit über unsere Landesgrenzen hinweg bekannt geworden: Theodor Herzl, Arnold Schönberg und Max Reinhardt zum Beispiel". Eigentlich, so Pröll, sei es "eine Schande", dass es mit der Badener Synagogenrenovierung so lang gedauert habe: Konkret 57 Jahre lang - nach dem Ende der Nazizeit.

Geplant sei nun, im Erdgeschoß des Gebäudes ein Bethaus, im Stock darüber "ein multikulturelles Zentrum" zu errichten, erläuterte Schärf. Den oberen Stock werde man auch vermieten - "das Wie ist aber noch nicht klar". Die Renovierung werde rund 2,9 Millionen Euro kosten - "eine auf heutige Umstände hochgerechnete Schätzung aus dem Jahr 1988" - wovon 50 Prozent das Land Niederösterreich, 25 Prozent die Stadt Baden und 25 Prozent die Wiener Israelitische Kultusgemeinde übernehmen würden.

Dieses Geld, so der Landeshauptmann, werde "auf alle Fälle aufgebracht". Sollte man von Badener Seite auf einer Deckelung bei 750.000 Euro bestehen und die bis 2004 angesetzten Arbeiten teurer als geplant sein, werde "das Land einspringen". (Irene Brickner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. 10. 2002)

Seit 57 Jahren steht sie, devastiert und immer mehr verfallend, im Zentrum der Kurstadt - wie Landeshauptmann Erwin Pröll sagt, "eigentlich eine Schande". Jetzt soll die Badener Synagoge renoviert werden: um 2,9 Millionen Euro.

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