Venezuela: Aufruf zum Aufstand offenbar gescheitert

23. Oktober 2002, 22:57
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Aufforderung zur "Rebellion" blieb in den Kasernen unbefolgt

Caracas - Ein Aufruf regimekritischer Offiziere zur Rebellion in Venezuela hat die Regierung von Präsident Hugo Chavez offenbar nicht ernsthaft gefährdet. Zwar versammelten sich am Dienstag mehrere tausend Demonstranten auf einem Platz in der Hauptstadt Caracas. In den Kasernen sei aber alles ruhig geblieben, erklärte am Mittwoch Vizepräsident Jose Vicente Rangel.

Die Offiziere forderten Soldaten und Bürger auf, sie bei einer Kundgebung auf einem öffentlichen Platz in der Hauptstadt Caracas zu unterstützen. Die Offiziere bezeichneten den Platz als "von den Streitkräften befreites Territorium" und sprachen von einer legitimen Gehorsamsverweigerung. "Wir erkennen das amtierende Regime nicht an", erklärte General Enrique Medina Gomez im Fernsehen. "Wir fordern alle Mitglieder der Streitkräfte auf, uns auf dieser Mission zu begleiten." Weitere Demonstrationen gab es in Valencia und Maracaibo.

Gewerkschaften unterstützen Armeerebellion in Venezuela

Der regierungskritische Gewerkschaftsdachverband CTV hat sich am Mittwoch auf die Seite der rebellierenden Armeeoffiziere in Venezuela gestellt und den Rücktritt von Präsident Hugo Chávez gefordert. Der Generalsekretär der CTV, Manuel Cova, rief zu einer gewaltfreien Beilegung der Krise auf. Chávez müsse den Weg für Neuwahlen frei machen. Die CTV hatte auch den fehlgeschlagenen Putschversuch gegen den linksnationalistischen Präsidenten vor einem halben Jahr unterstützt. Das venezolanische Heer verurteilte den Aufruf zur Rebellion in einer Erklärung als "verzweifelten Versuch, gegen die verfassungsmäßige Ordnung zu verstoßen".(APA/AP)

Mindestens vier der Offiziere sollen auch schon an dem Putsch vom 12. bis 14. April beteiligt gewesen sein, der Chavez vorübergehend aus dem Amt trieb. Die Opposition kritisierte den Aufruf der Gruppe und forderte alle Soldaten auf, in ihren Kasernen zu bleiben.
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    Die Militärs bei ihrer öffentlichen Erklärung gegen den gewählten Präsidenten Hugo Chavez

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