Bali-Anschlag könnte Werk von Selbstmordattentäter sein

21. Oktober 2002, 15:15
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Australischer Ermittler: "Das war hochgradig organisiert"

Sydney/Kuta - Ein Selbstmordattentäter könnte nach Ansicht australischer Fahnder an den verheerenden Bombenanschlägen von Bali beteiligt gewesen sein. Die erste der beiden Explosionen vor zwei Discotheken sei durch Dynamit ausgelöst worden, das möglicherweise eine Person bei sich getragen habe, sagte der australische Chefermittler Mick Keelty am Montag im australischen Rundfunk. Die zweite, weitaus stärkere Bombe sei kurz danach in einem Kleinbus hochgegangen. Die Attentäter hätten dabei ein Gemisch aus Dünger und Treibstoff eingesetzt. Bei den Anschlägen sind mindestens 190 Menschen getötet worden.

"Das war hochgradig organisiert", sagte Keelty zum Ablauf der Terrorakte. "Die Planung zielte zweifellos darauf ab, so viele Menschen wie möglich zu töten." Bei den Anschlägen waren am Samstag vor einer Woche zumeist junge Australier ums Leben gekommen.

Australien und die USA hatten kurz nach den Attentaten die Hintermänner des Anschlags bei der radikalen Islamistenorganisation Jemaah Islamiyah vermutet. Ein angeblicher Anführer der Gruppe, der radikale Moslemgeistliche Abu Bakar Ba'asyir, war am Wochenende wegen seiner möglichen Verwicklung in andere Terrorakte in Indonesien verhaftet worden. Die Regierung in Jakarta erließ zugleich eine Notstandsverordnung, die den Ermittlern im Kampf gegen den Terror weit reichende Vollmachten einräumt.

Bombe war Gemisch aus Dünger und Plastiksprengstoff

Bei dem Anschlag von Bali ist nach Erkenntnissen der Ermittler ein Gemisch aus dem Plastiksprengstoff C4 und Düngemitteln eingesetzt worden. Die vor dem Sari-Club gezündete Autobombe habe aus 50 bis 150 Kilo Ammoniumnitrat und C4-Sprengstoff bestanden, sagte der australische Ermittler Brett Swan am Montag in Kuta. Der kurz zuvor in der Diskothek Padi-Club gezündete Sprengsatz habe aus weniger als einem Kilo TNT bestanden. Berichte über eine dritte Bombe, die vor dem Padi-Club explodiert sei, seien im Zuge der Ermittlungen widerlegt worden, sagte Swan. Die Anschläge seien von "hoch organisierten" Tätern verübt worden. Sie seien zeitlich so gelegt worden, dass "eine maximale Zahl von Todesopfern" erreicht werden konnte.

Bei den Explosionen waren mehr als 180 Menschen getötet worden, die meisten von ihnen junge Australier. Nach indonesischen Polizeiangaben soll der Ort der Tragödie frühestens kommenden Monat wieder für den Verkehr freigegeben werden. Neun Tage nach dem Anschlag wurden am Montag weitere Leichenteile entdeckt.

Gebäudeschutt soll im Meer versenkt werden

Nach Behördenangaben sollen die Trümmer der zerstörten Gebäude im Meer versenkt werden. Die Bewohner der Insel weigerten sich, den nach hinduistischem Glauben "unreinen" Schutt in ihrer Nachbarschaft deponieren zu lassen, sagte ein Verwaltungssprecher der Online-Nachrichtenagentur Detikcom. Am Freitag hatten hunderte Balinesen ein hinduistisches Reinigungs-Zeremoniell am Ort des Anschlags begonnen. Die Rituale sollen im kommenden Monat mit der Opferung von Bullen einen Höhepunkt erreichen. (APA/dpa)

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