"Ich sehe mich nur als Koch ..."

21. Oktober 2002, 13:30
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Der Unbekannte hinter "John Sinclair"

Er bringt seit bald drei Jahrzehnten Vampire, Zombies, Hexen und andere Horror-Geschöpfe zur Strecke: der Geisterjäger John Sinclair. Zehntausende Grusel-Fans verfolgen allwöchentlich die Abenteuer des außergewöhnlichen Scotland-Yard-Polizisten in Roman-Heftchen mit Titeln wie "Der Pestbringer" oder "Finale in der Knochengrube". Die Auflage liegt mittlerweile bei 260 Millionen. Diese Woche erscheint Band 1267. Doch der Autor, der unter dem Pseudonym Jason Dark die Serie alleine schreibt, ist so gut wie nicht bekannt. Wer hat schon jemals von Helmut Rellergerd gehört?

"Macht nichts", sagt der 57-Jährige. "Ich sehe mich nur als Koch. Wichtig ist das Produkt." Er bleibe lieber im Hintergrund. Medienrummel liege ihm nicht. Interviews gibt er selten. "Ich bin ein kreativer Handwerker. Kein Künstler, um Gottes Willen. Da müsste ich ja warten, bis mich die Muse küsst, und da würd' ich heute noch warten." Und das kann Rellergerd sich nicht erlauben, schließlich muss er jeden Monat vier rund 60-seitige Heftchen und ein etwas dickeres Taschenbuch schreiben.

Strenger Tagesablauf

"Morgens halb sieben aufstehen, viertel nach acht an der Maschine (Anm. Schreibmaschine. Mittags wird Essen gemacht, Brot mit Spiegelei oder so, dann schreibe ich noch ungefähr eine Stunde weiter, und dann hab' ich offiziell Feierabend." So schildert er seinen Arbeitsalltag. "Ich muss arbeiten wie ein Beamter."

Der Erfolg der Hefte liegt einerseits im günstigen Preis, begründet sich aber auch auf den Geschichten, glaubt der Autor. "Irgendwie komm' ich immer mit dem Zeitgeist zurecht." Zudem sei es ein Vorteil, dass er die Geschichten alleine schreibe. Während bei der Roman-Serie "Jerry Cotton" ein ganzes Autorenkollektiv am Werk sei, müsse er sich mit niemanden absprechen. "Oft weiß ich nicht, wie eine Geschichte enden wird, wenn ich anfange zu schreiben. Und so überrasche ich mich immer wieder - und eben auch meine Leser." Auf Unterhaltung mit Gänsehaut-Garantie komme es an. "Botschaft habe ich keine, da müsste ich Pastor sein." An ein Kürzertreten denkt Rellergerd nicht. "Ich habe genug Ideen. Was ich so erlebe und mitkriege, das fließt alles in die Geschichten ein." (APA/reuters/red)

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