Der Faszination des Krieges erliegen

21. Oktober 2002, 13:15
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Vortrag von Edgar J. Forster im Rahmen von "(Männer)Krieg & (Frauen)Frieden"

8. Frauen-Ring-Vorlesung an der Universität Salzburg:

"(Männer)Krieg & (Frauen)Frieden" - Geschlechterdimensionen in historischen und aktuellen kriegerischen Konflikten

Edgar J. Forster: Der Faszination des Krieges erliegen

Edgar Forster geht in seinem Vortrag der bindenden Kraft des Krieges nach: Auf welche Weise gelingt es, ökonomische und politische Interessen des Krieges in eine bindende Kraft zu verwandeln? Warum erliegen vor allem Männer immer wieder der Faszination des Krieges als Beteiligte und als Zuseher an den Fernsehschirmen? Öffnet sich hinter der Oberfläche der Geschlechterrepräsentationen noch eine andere Spur des "gendered war", die unsichtbar bleibt, aber hartnäckig am männlichen Begehren arbeitet? Die Logik dieser wiederkehrenden Faszination wird sichtbar, wenn Kriege und Konflikte als wichtiger Teil der Erinnerungskultur eines Landes begriffen werden. Jeder Krieg ist auch eine Erzählung, in der frühere Kriege erinnert, wiederholt und re-interpretiert werden.

Konkretisieren wird der Salzburger Erziehungswissenschafter diese Überlegungen am Beispiel von America’s New War: Wie auch die vorherigen Kriege ist dies ein "gendered war" mit vielen männlichen Heldengeschichten und Frauen, die diese Geschichten "dekorieren". Das Gendering des Krieges lässt sich aber nicht isoliert von anderen Aspekten amerikanischer Identitätspolitik begreifen. Insbesondere Nationalismus und Geschlecht verknüpfen sich miteinander und stützen sich gegenseitig. America’s New War überrascht nicht. Er wiederholt all die Geschlechter-Diskurse mit seinen Klischees und vermeintlich fortschrittlichen Images, die von früheren Kriegen bekannt sind. Was verwundert, ist also nicht so sehr, dass America’s New War in Bezug auf die Repräsentation und (Re-)Produktion von Geschlecht keine neuen Diskurse hervorbringt, sondern dass diese Kriege und ihre Diskurse immer wieder funktionieren als handle es sich um eine Art Wiederholungszwang.

Edgar Forster ist als Univ-Professor am Institut für Erziehungswissenschaft an der Universität Salzburg tätig, zu seinen Forschungsschwerpunkten zählt vor allem Männlichkeitsforschung, aber auch Friedenspädagogik und Gewaltforschung jeweils mit besonderem Augenmerk auf die Geschlechterdimension. In seiner Habilitation beschäftigte er sich mit der "Unmännlichen Männlichkeit. Melancholie > Geschlecht < verausgabung" (red) verausgabung"="">

Donnerstag, 24.10.2002,
18.00 Uhr,
HS 380,
Rudfolfskai 42
Salzburg Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung Universität Salzburg Universitätsplatz 1 5020 Salzburg Tel: 0662-8044-2522 Fax: 0622-8044-2523 www.sbg.ac.at/gendup
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