".Net ist nicht gleich Web-Services"

25. Oktober 2002, 14:14
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Progress Software-Manager Dr. Büll im WebStandard-Interview über die Zukunft von Web-Services und der IT-Branche sowie die liebe Konkurrenz

".Net ist nicht gleich Web-Services"

Progress Software-Manager Dr. Büll im WebStandard-Interview über die Zukunft von Web-Services und der IT-Branche sowie die liebe Konkurrenz

Der österreichische Country Manager von Progress Software, Dipl.-Ing. Dr. Christian Büll gab dem WebStandard ein Interview und sprach über die große zukünftige Bedeutung von Web-Services für die IT-Branche, sein Unternehmen, schwierige Zeiten und die liebe Konkurrenz.

"Blieben von der IT-Krise vserschont

"Progress Software Corporation (PSC) ist nun mehr schon seit 21 Jahren erfolgreich in der IT-Branche tätig", so Dipl.-Ing. Dr. Büll im Gespräch mit dem WebStandard. "Mit den drei Tochtergesellschaften, Progress Company, Sonic Software und NuSphere Corporation, ist die Progress Company ein weltweiter Anbieter von Software-Produkten und -Dienstleistungen für die Entwicklung, Implementierung, Integration und das Management von E-Business-Anwendungen. Viele Kunden wissen gar nicht, dass sie mit Progress-Software arbeiten, da wir mit vielen Partnern arbeiten und meist mit dem Endkunden in Verbindung stehen. Zu unseren Kunden gehören Zielpunkt, Quester, EDV Leasing oder die Therme Oberlaa. Aufgrund dieser treuen Kunden konnten wir die IT-Krise unbeschadet überstehen und auch im Jahr 2002 - wie in den vergangenen Jahren auch - positive Ergebnis- und Umsatz-Zahlen präsentieren".

"Österreich in Vorreiter-Rolle"

In Österreich waren die Umsatz-Zahlen im 4. Quartal für Progress wieder besonders erfreulich - Österreich hat innerhalb des Konzerns eine Art Vorreiter-Rolle; wir weisen höhere Zahlen aus als der Unternehmens-Durchschnitt und können mehr als zufrieden sein", so Dr. Büll weiter. In Österreich liegt der Schwerpunkt im Vertrieb und in der strategischen Unterstützung der Partner. Das Development der Progress-Software erfolgt zur Gänze in den USA.

"Qualitative Services werden kostenpflichtig"

Die nahe Zukunft der Software-Developer sieht Dr. Büll in der Entwicklung von Web-Services. Diese werden seiner Meinung nach in den nächsten Monaten einen starken Boom erfahren. "Qualitative Services werden auf jeden Fall kostenpflichtig werden. Hier ist natürlich zunächst der B2B-Bereich primärer Umsatzgarant. Die meisten Web-Services werden anfangs unbemerkt von den Konsumenten auf einmal da sein". Während Unternehmen wohl eher bereit sind für Qualität zu zahlen, wird sich im Consumer-Bereich eine Änderung der "Internet bedeutet kostenlos"-Mentalität erst durchsetzen müssen.

".NET ist nicht gleich Web-Services"

Zur Zeit rittern viele Software-Unternehmen um die Marktanteile am Web-Services-Geschäft. Einer der Konkurrenten in diesem Bereich ist für Progress - wie für viele andere auch - natürlich Microsoft und dessen .Net-Initiative. Verständlicherweise kann der Progress-Manager daher den Konkurrenz-Produkten wenig abgewinnen. ".Net ist nicht gleich Web-Services. Viele Kunden lassen sich hier einen allgemeinen Begriff als Microsoft-Produkt verkaufen. Meiner Meinung nach halten die Produkte lange nicht das was sie versprechen", so Dr. Büll weiter.

"Wenn ich Microsoft wäre, würde ich Linux auch fürchten"

Für Progress Software spielt auch OpenSource eine immer wichtigere Rolle. "Uns fällt auf, dass User vermehrt auf Linux setzen. Der Zug ist nicht mehr aufzuhalten. Wenn ich Microsoft wäre, würde ich mich auch für Linux fürchten", so Dr. Büll im Gespräch. "Wir setzen schon seit einiger Zeit auf OpenSource und bieten unsere Produkte für unterschiedliche Plattformen an. In den USA wird gerade ein Deal mit Apache verhandelt - auch unser Produkt NuSphere basiert auf der freien Software MySQL. Es wird Bereiche geben, in denen sich OpenSource durchsetzen wird, allerdings nicht bei unternehmenskritischen Anwendungen. Lösungen, wie etwa jene von Progress, garantieren Stabilität und Performance. Dafür sind Firmen auch bereit zu zahlen. Es handelt sich hier um unternehmenskritische Bereiche, die einem Unternehmen im Falle von Instabilität nicht nur Sicherheitsrisiken sondern enorme Verlust einbringen können", so Dr. Büll weiter.

Die Zukunft der IT-Branche

Wie so viele andere in dieser Branche sieht auch Dr. Büll das Ende der Krise bald erreicht. Doch sind seine Prognosen weit weniger optimistisch als von anderen Unternehmen. "IT-Firmen und auch die Medien haben die Dotcom-Blase genährt und nun ist sie geplatzt. Das war ein Fehler von uns allen. Natürlich wird ein Aufschwung kommen, aber ich denke dass zu Beginn nur sehr vorsichtig investiert werden wird".

Der EDV-Leiter der Zukunft

Der EDV-Leiter der Zukunft wird nach Ansicht von Dr. Büll "kein Programmierer mehr sein". "Der EDV-Leiter muss eine Strategie haben und diese auch im Unternehmen durchsetzen können - Informationen müssen zur richtigen Zeit an die richtigen Personen übermittelt werden. Als Voraussetzung sind aus meiner Sicht in Zukunft sowohl technisches Verständnis wie auch wirtschaftliches Know-How bei einem EDV-Leiter gefragt. So würde aus meiner Sicht etwa eine HTL-Ausbildung mit IT-Schwerpunkt und ein anschließendes Studium an der WU die besten Zukunftsperspektiven bieten".(gk)

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