Günter Grass-Haus eröffnet

21. Oktober 2002, 10:05
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Wechselspiel zwischen Literatur und bildender Kunst in Lübeck

Lübeck - Vier Tage nach dem 75. Geburtstag von Günter Grass hat die Hansestadt Lübeck dem Literaturnobelpreisträger ein besonderes Geschenk gemacht. Mit einem Festakt wurde nach zwei Jahren Planungs- und Bauzeit das Günter-Grass-Haus eröffnet. In dem Haus in der Lübecker Altstadt soll das Wechselspiel zwischen Literatur und bildender Kunst im Werk von Grass und anderen Künstlern vorgestellt werden. Die Einrichtung des Hauses hat rund 2,1 Millionen Euro gekostet und war in Lübeck kontrovers diskutiert worden.

Mit dem Grass-Haus und dem Buddenbrookhaus ist Lübeck die weltweit einzige Stadt mit Museen für zwei Literaturnobelpreisträger. Damit sei Lübeck zu einem Schwergewicht auf der literarischen Landkarte geworden, sagte der Kultursenator der Hansestadt, Ulrich Meyenborg (SPD). Demnächst ist in Lübeck auch die Einrichtung einer Forschungsstätte zum Gedenken an den aus Lübeck stammenden Friedensnobelpreisträger Willy-Brandt geplant.

Forum

Das Grass-Haus versteht sich weniger als Museum, sondern als ein Forum, das Grenzüberschreitungen zwischen den verschiedenen Kunstformen ermöglichen soll. Das Haus solle nicht nur ein Magnet für den Kulturtourismus, sondern auch ein Ort der ästhetischen Erziehung werden, sagte der Leiter der Kulturstiftung Lübeck, Hans Wißkirchen. Grass hatte angekündigt, Schulklassen selbst durch die Ausstellung zu führen und ihnen Erläuterungen zu geben. "Ein schreibender Zeichner ist jemand, der die Tinte nicht wechselt", sagte Grass in seinem Festvortrag.

Rund 800 Gäste aus Politik, Kultur und Verwaltung waren zu dem Festakt gekommen, darunter auch eine Delegation aus Grass' Heimatstadt Danzig. Vor ihnen würdigte Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) Grass als Universalkünstler, dessen Werk in Büchern, im Kino, im Theater, auf Schallplatten und in Galerien zu entdecken sei. "Das Grass-Haus ist nicht der Schlussstein einer großartigen Künstlerkarriere, sondern ein weiterer Meilenstein", sagte Simonis. Der scheidende Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin bezeichnete das Haus als einen Gewinn für die Stadt und das ganze Land. Es dürfe nicht vergessen werden, dass die Bundesrepublik eine Verantwortung für die kulturelle und ästhetische Entwicklung trage, sagte er.

Über die Einrichtung des Grass-Hauses war in Lübeck heftig gestritten worden. Gegner hatten befürchtet, dass wegen der hohen Kosten Ausgaben im Bereich der Bildung gekürzt werden würden. Nida-Rümelin hatte diese Debatte damals als "kleinkariert" bezeichnet. Neben Bund, Land und der Lübecker Possehl-Stiftung haben auch Einzelspenden beigetragen. (APA)

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