"Sichere Chips" entmündigen PC-Anwender

21. Oktober 2002, 10:02
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Hardwareumbau erschwert, Softwareweiterverkauf verunmöglicht und begrenzte digitale Inhalte

"Mehr Sicherheit für den PC" versprechen die von Intel geleitete Trusted Computing Platform Alliance, kurz TCPA, und Microsofts Palladium-Initiative. Was dem Anwender als Schutz vor Viren und Würmern schmackhaft gemacht wird, zielt aber vor allem auf Raubkopien und kann auch die legale Nutzung von Dateien und Programmen erheblich einschränken, so das Computermagazin c't in der aktuellen Ausgabe 22/02.

Vorhaben

Heutige PCs sind sicherheitstechnisch außer Stande, Software effektiv vor Angriffen zu schützen. Mit dem TCPA-Modell will die PC-Industrie diesen Missstand beseitigen. Die zentrale Komponente ist ein ins Motherboard integrierter Verschlüsselungs-Chip, dessen Entwicklung bereits abgeschlossen ist. Er wacht darüber, ob an der Hardware gepfuscht, Software ohne Lizenz genutzt oder ein Dokument ohne Erlaubnis geöffnet wird.

Mehrmals hinschauen

Auf den ersten Blick erscheint diese Erweiterung der PC-Architektur als viel versprechender Weg, den PC sicherer zu machen. Doch TCPA setzt eine Zertifizierung aller Rechner-Komponenten und Programme voraus - die Kosten dafür werden die Hersteller auf die Kunden abwälzen. Zudem muss der PC bei jeder Änderung an der Hardware neu zertifiziert werden, damit der Rechner TCPA-konform bleibt.

Keine Weiterverkauf

Die Software muss ebenfalls zertifiziert werden und eicht sich bei der Installation auf den aktuellen PC. Damit verhindert TCPA den Wiederverkauf von Software, die man nicht mehr braucht - rechtlich bleibt das zulässig, doch TCPA macht es faktisch unmöglich. Damit würden die Hersteller unter dem Deckmäntelchen der besseren Sicherheit endlich das erreichen, was sie in ihren Lizenzvereinbarungen nicht geschafft haben: nämlich unübertragbare Software.

Knebelung

So ganz nebenher funktionieren TCPA und Palladium den PC zum "Trusted Client" für die Verwaltung digitaler Rechte (DRM) um. Die Unterhaltungsindustrie, die die Nutzung digitaler Inhalte auch nach der Übertragung auf einen fremden Rechner unter Kontrolle behalten will, sieht in den neuen Sicherheits-Konzepten die lang erhoffte Lösung gegen Raubkopien ihrer Inhalte. Für den Anwender trägt die vermeintliche Sicherheit einen hohen Preis: Künftig herrscht im PC nicht mehr dessen Besitzer, sondern Intel, Microsoft und die Unterhaltungsindustrie. (red)

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