Wie man in Amerika berühmt werden kann

21. Oktober 2002, 08:58
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Der Friedensnobelpreis als "Peanut-Preis"? - Eine Kolumne von Biljana Srblanovic

Sie nennen ihn "Peanut-Preis". Sie meinen, Präsident Bush oder sein Vater, ebenfalls Präsident und ebenfalls Bush, hätte ihn bekommen müssen. Oder Reagan "wegen des Siegs über die Diktatur in Europa". Einige sagen: "Was habt ihr von einem Preis erwartet, den sogar Arafat erhalten hat?" (darüber kann man wirklich diskutieren). Und in ihrer Wut auf Carter behaupten sie, man habe ihm den Preis wegen seines "Verrats an Amerika" gegeben.

Die Rede ist natürlich vom Friedensnobelpreis. Über den die meisten konservativen Amerikaner - hätte es nicht jenen politischen Kommentar eines Komitee- mitglieds gegeben - kein Wort verlieren würden. Und zwar nicht deshalb, weil ihnen der (demokratische) Expräsident Carter so sympathisch ist, sondern weil sie, wie mir scheint, noch nie vom Nobelpreis gehört haben. So aber sind die Zeitungen voller Leserbriefe, die TV-Komiker machen Witze über den Preis und die Ausgezeichneten, ganz Verblendete behaupten gar, es ginge um eine "Verschwörung der Liberalen" (wenngleich man natürlich auch darüber diskutieren könnte). Alles in allem ist das "normale Amerika" jedenfalls nicht eben stolz auf seinen Preisträger.

Der vorjährige Laureat, Kofi Annan, lebt auch in Amerika. Er geht regelmäßig im Central Park spazieren, ich selbst habe ihn an einem Sonntagmorgen gesehen, als er sich in Begleitung seiner Frau und zweier Bodyguards unters einfache Volk mischte. Ich sagte sogar "Hi" zu ihm, wir kennen uns gar nicht, aber sein Gesicht war mir vertraut, ich war nicht sicher, woher, so dass ich mich für jeden Fall, um nicht unkultiviert zu erscheinen, bemerkbar machte. Er antwortete nicht, aber seine Frau lächelte mir zu. Da fiel mir ein, wer er ist. Jener regelmäßige Gast auf den Festen der Berühmten, der in der Boulevardpresse immer positive Kommentare bekommt und dessen Frau zu den "bestangezogenen Damen" gehört. Der den Friedensnobelpreis in einem Augenblick bekam, als in der Welt ein grausamer Krieg tobte, ohne dass die Vereinten Nationen etwas zu seiner Verhinderung getan hätten.

Für die konservativen Amerikaner hat damals (falls sie von dem Preis überhaupt gehört hätten) das Komitee richtig gehandelt. Jetzt ist das leider nicht der Fall. Denn die Medienmaschine arbeitet daran, jede dissonante Stimme des "Antiamerikanismus" zu zeihen.

In einem Land, dem Redefreiheit, persönliche Freiheit und Gleichheit so immanent sind wie Verfassung und Gesetz, nimmt die Sache noch größere Dimensionen an. Und wenn in einer seriösen Umfrage zum Thema "Haben die Berühmten das Recht, sich zu politischen Fragen zu äußern?" 97 Prozent der Menschen mit Nein antworten, dann stutzen selbst die Journalisten.

Was ist aus der Redefreiheit geworden? Und werden die "Berühmten", um "berühmt" zu bleiben, sich nach der öffentlichen Meinung richten? Oder werden sie, wie beispielsweise Kofi Annan, dadurch berühmt werden, dass sie sich über gar nichts mehr äußern?

(DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2002)

Übersetzung aus dem Serbi- schen: Barbara Antkowiak
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