Musterschüler arbeitet mit Schummelzetteln

20. Oktober 2002, 22:50
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Slowenien stellt Hürden für Ausländer auf

Ljubljana - Laut EU-Fortschrittsbericht ist Slowenien ein wahrer Musterschüler. Zwar hat die Kommission im Fortschrittsbericht noch einige kleinere Mängel beanstandet, im Vergleich zu den anderen Beitrittskandidaten steht Slowenien aber glänzend da.

Ausländische Investoren beklagen allerdings, dass ihnen die Regierung in Ljubljana aus Sorge vor einer Medienschelte wegen Ausverkaufs und Überfremdung zahlreiche Steinchen in den Weg lege, über die EU-Kommission aber nur wenige Worte verliere. Eines der Unternehmen, das an den Hürden gescheitert ist, war die Bank Austria (jetzt HypoVereinsbank). Im Zuge der Privatisierung der Nova Kreditna Banka Maribor sei der Verkauf auf der Ziellinie abgeblasen worden. Die Begründung - mangelnde strategische Ausrichtung - sei nicht zu verstehen, kann sich BA-CA-Slowenien-Chef Wolfgang Peter nur wundern.

Ein Problem, das alle Investoren beklagen, sei der extrem strenge Kündigungsschutz. Ein Abbau von Mitarbeitern sei nahezu unmöglich, manchmal gingen Firmen in Konkurs, bloß um Personal reduzieren zu können.

"Mehr als merkwürdig" wird auch die Bestimmung empfunden, dass die Geschäftsführer eines ausländischen Unternehmens slowenisch sprechen können müssen. Gäbe es in Österreich ähnliche Vorschriften, hätte in Wien wohl kein Multi seine Osteuropa-Zentrale angesiedelt. Weil die Regierung Sorge vor dem Verschwinden der slowenischen Sprache habe, gebe es offiziell keine ausländischen Schulen. Es gibt diese zwar, aber sie arbeiten am Rande der Legalität. Hauptaufgabe der Botschaft sei es, die Verhaftung der Lehrer zu verhindern, wird gewitzelt. Dies, obwohl im slowenischen Renault-Werk für den gesamten Konzern das Modell Clio gefertigt werde.

Probleme auch im Fremdenverkehr: So müssen österreichische Autobusse für die im Land gefahrenen Strecken Kilometergeld zahlen, italienische dagegen nicht, weil beide Länder dies per Abkommen abgeschafft haben. Am Anfang habe man das hingenommen, weil die Gebühr sehr niedrig gewesen sei. Nun sei sie aber kräftig hinaufgeschnalzt worden. Man sei bereits bei der Regierung vorstellig geworden und habe diesen Passus auch schon in Brüssel moniert, so Österreichs Handelsdelegierter Georg Krauchenberg. (rose/DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2002)

Clemens Rosenkranz
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