Anstoßen mit Irish Coffee und Guinness

20. Oktober 2002, 19:05
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Erleichterung in der EU und bei den Kandidaten

Paris/Brüssel/Wien - "Irland gibt grünes Licht für die Erweiterung." Erleichtert äußerte sich am EU-Kommissionspräsident Roman Prodi am Sonntag über das deutliche Ja der Iren zur Ratifizierung des Vertrags von Nizza, in dem die Voraussetzungen für die Erweiterung der EU ab 2004 um bis zu zehn Länder geregelt werden. Das Ergebnis übertreffe die Erwartungen, sagte Prodi, der sich in Paris aufhielt, in einem Interview mit dem französischen Rundfunksender Europe 1.

In der EU-Kommission in Brüssel stieß man mit Irish Coffee auf das Ergebnis an. Jonathan Faull, der Sprecher der Kommission, gab sich sichtlich gelöst vor der internationalen Presse: "Das sind sehr gute und ermutigende Nachrichten."

In den EU-Hauptstädten wurde das Ergebnis durchwegs positiv kommentiert. Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder begrüßt die Entscheidung und verknüpfte sie mit einem Kompliment an die Iren, die sich ihrer großen Verantwortung für Europa bewusst gewesen seien. Belgiens Premierminister Guy Verhofstadt gratulierte den Iren.

In den Kandidatenländern löste das Ergebnis Freude aus. Geradezu euphorisch war man in Polen. Präsident Aleksander Kwasniewski kündigte an, er werde auf das Ja Irlands mit einem Guinness anstoßen. Mit Regierungschef Leszek Miller werde er in ein irisches Pub zum Feiern gehen. "Wir werden sagen: Irland, wir lieben dich", fügte Miller hinzu. In Warschau gibt es insgesamt vier irische Pubs.

In Riga sprach der lettische Ministerpräsident Andris Berzins von einem "guten, aber nicht überraschenden Ergebnis". Die irische Regierung habe die Abstimmung sorgfältig vorbereitet und die Bürger mit Informationen überzeugt.

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel zeigte sich ebenfalls erleichtert. Es hätte "juristisch und politisch ein erhebliches Problem" gegeben, hätten die Iren Nein gesagt. Schüssels Lehre aus dem Referendum: "Man muss die Sache Europas den Menschen erklären und den Bürgern nahe bringen." SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer zeigte sich erfreut und meinte, die Erweiterung sei für Österreich überaus bedeutend. Nun müsse in die Grenzregionen investiert werden.

Positive Reaktionen auch von der Wirtschaft: Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer und der Europäischen Wirtschaftskammern (Eurochambres), sprach von einem "weiteren Meilenstein der europäischen Integration". (ina, APA, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2002)

  • Artikelbild
    foto: epa/pap/jacek turczyk
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