Der Gletscher ist das Tor zum Winter

23. Oktober 2002, 12:39
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Wie nicht anders zu erwarten, sind Österreichs Skifahrer und -fahrerinnen fleißig am Üben

Pitztal/Sölden - Die Tunnelbahn auf den Gletscher heißt Pitzexpress, die ÖSV-Ärztin heißt Gitti, und für die Gitti heißt es warten. Denn obwohl sie um 7.28 Uhr angekommen ist und der Zug erst um halb abfahren soll, sind die Schiebetüren der Talstation zu. Der Zug drinnen ist gerammelt voll und macht sich jetzt echt auf den Weg nach oben, die Gitti schaut durch das Glas und durch die Finger.

Pitzexpress

Acht Minuten und 1120 Höhenmeter später steigen Österreichs Abfahrer bei der Pitzexpress-Bergstation aus und um, die Panoramabahn bringt sie auf 3440 Meter, sie wird zu Recht als höchste Seilbahn Österreichs ausgelobt. Die Österreicher sind nicht allein, auch diverse andere Nationen nützen die "optimalen Bedingungen" zum Üben. Kein Wölkchen trübt den Himmel, auf der Abfahrt Nummer 9 ("Pitz Panorama", eine Rote) haben sie gleich vier Kurse ausgesteckt, zwei Slaloms, einen Riesenslalom, einen Super-G.

Österreich ist mit der schnellen Partie im Pitztal, vom Gipfel kann man zum Rettenbachferner hinüberschauen, dort, ob Sölden im Ötztal, sind gerade die Kollegen der Abteilung Technik und alle österreichischen Damen unterwegs. Im Pitztal geht's noch nicht um sehr viel, schließlich steigen die erste Abfahrt und der erste Super-G erst in Lake Louise (Ende November/Anfang Dezember). In Sölden hingegen ist schon Quali angesagt, Rainer Schönfelder sichert sich den letzten Platz im Team für den Weltcup-Auftakt, der ebendort am Wochenende von Damen wie Herren mit einem Riesenslalom absolviert wird.

Nur keine Hektik

Die Gitti, wie gesagt, steht vor geschlossenen Türen, und jetzt pressiert's ihr zwar nicht wirklich, aber sie soll heute Laktat-Tests machen bei den Abfahrern. Da will sie nicht unbedingt eine Stunde auf den nächsten Zug warten, also fragt sie halt einmal nach. Und tatsächlich fährt schon um Punkt, wenn auch inoffiziell, die nächste Bahn hinauf, sie nimmt Hütten- und Pistenpersonal mit und die Gitti, die oben noch nicht viel versäumt hat, denn die Österreicher sind noch beim Einfahren und Kursbesichtigen.

Mitte Oktober sind auf dem Gletscher nur wenige Skitouristen unterwegs, die stören nicht, das "alpine Trainingsgelände" ist durch Zäune vom Rest der Piste getrennt. Die meisten Hobbyisten weichen sowieso zum Brunnenkogel und aufs Mittelbergjoch aus. Vier Trainingsläufe sind angesetzt, jeder dauert etwas mehr als 50 Sekunden. Oben am Start fragt ein Rennläufer: "Was misst die Gitti?" Und ein anderer antwortet: "Züpfel."

Immer mit der Ruhe

Tatsächlich wartet die Ärztin zuerst zweimal bei der Bergstation und dann zweimal im Ziel, jeweils ein kurzer Stich ins Ohrläppchen, das war's. Die Gitti gewinnt Erkenntnisse, manche Skifahrer geben mehr, andere geben weniger darauf. Abfahrts-Olympiasieger Fritz Strobl sagt, nach fünfzehn Jahren Skifahren weiß er selbst, was gut ist für ihn und wie viel er trainieren muss. "Ich weiß, was ich brauch', und ich war nie einer, der gesagt hat, man muss immer mehr machen, sieben statt fünf Stunden am Tag, sicher nicht. Vor allem musst du wissen, dass Glück und Gesundheit wichtig sind. Ich bin vom Typ her sowieso eher ein Gemütlicher."

Ruhig geht's auch noch in Sölden zu, das wird sich zum Wochenende hin ändern. Schon am Freitag steigt die erste "Kronen Zeitung Weltcup Party", am Samstag gibt's ein "Warm-up mit Ö3", dann die "große Ö3 Gletscherparty" und das "Weltcup Oktoberfest". Sölden ist die erste Etappe einer Tour durch 30 Skistationen in 13 Ländern, einer Tour, die 33 Damen- und 37 Herrenrennen vorsieht. Dann ist wieder Winter, auch darauf wartet die Gitti schon. Die Tür geht auf. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2002, fri)

Mit zwei Riesentorläufen und einer zünftigen Party beginnt am Wochenende ob Sölden der Alpine Skiweltcup. Österreichs Skifahrer übten und üben im Pitz- und im Ötztal, man könnte sagen, fast ungestört.
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    Michaela Dorfmeister und Stephan Eberharter trainieren unter anderem überzeugendes Siegerlächeln.

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