Ecuador: Ex-Putschist und "Bananenkönig" in Stichwahl

21. Oktober 2002, 17:59
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Kampf um Korruption und Wirtschaftspolitik waren zentrale Wahlkampfthemen

Quito - Bei der Präsidentenwahl in Ecuador haben am Sonntag nach offiziellen Angaben der linksgerichtete Putsch-Oberst Lucio Gutierrez und der konservative "Bananenkönig" Alvaro Noboa den Einzug in die Stichwahl geschafft. Nach Auszählung von 85 Prozent der Stimmen teilte die zentrale Wahlkommission in der Nacht zum Montag in der Hauptstadt Quito mit, Gutierrez habe 19,28 Prozent und Noboa 17,60 Prozent erzielt. Trotz Wahlpflicht gingen rund 34 Prozent der 8,2 Millionen Wahlberechtigten nicht an die Urnen.

Die für den 24. November angesetzte Stichwahl wurde notwendig, da keiner der insgesamt elf Kandidaten die für einen Sieg in der ersten Runde notwendige absolute Mehrheit oder mindestens 40 Prozent bei einem Vorsprung von 10 Prozent auf den Zweitplatzierten erzielte. In der zweiten Runde treten die beiden Bestplatzierten der ersten Runde - Gutierrez und Noboa - gegeneinander an.

Der Vorsprung von Gutierrez und Noboa auf den gemäßigten Sozialisten und früheren Vizepräsidenten Leon Roldos (15,89 Prozent), den früheren Staatschef Rodrigo Borja (14,25 Prozent) und den konservativen Rechtsanwalt Xavier Neira (12,62 Prozent) war jedoch gering. Aus diesem Grund verlangte Roldos eine besonders genaue Auszählung der Stimmen. Ein Endergebnis werde darum erst am Dienstag vorliegen, teilte die Wahlkommission mit. Zu der gleichzeitig abgehaltenen Parlamentswahl gab es in der Nacht noch keine aussagekräftigen Ergebnisse. Auch in diesem Fall wurde erwartet, dass die Stimmenauszählung zwei Tage dauert.

Gutierrez hatte im Jänner 2000 zusammen mit demonstrierenden Indios den damaligen Präsidenten Jamil Mahuad gestürzt. Noboa versuchte sich erfolgreich von der abgewirtschafteten Politikerklasse abzusetzen. Als reicher Unternehmer wisse er, wie das Land aus der schwersten Wirtschaftskrise seiner Geschichte zu führen sei. Der Sieger der Präsidenten-Stichwahl wird am 15. Jännerden konservativen Übergangspräsidenten Gustavo Noboa ablösen.

Neben der Wirtschaftskrise standen die Bekämpfung von Korruption und Kriminalität im Mittelpunkt eines Wahlkampfes, den die Bevölkerung ohne größere Begeisterung verfolgt hat. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind mittlerweile 80 Prozent der Bevölkerung unter die Armutsgrenze gerutscht.

Die Einführung des Dollar als alleiniges Zahlungsmittel im Jahre 2000 hat die Produktionskosten des Landes stark verteuert. Viele kleine und mittlere Unternehmen mussten Konkurs anmelden. Die Handelsbilanz wurde erstmals seit langem negativ und die Zahlungsbilanz blieb nur wegen milliardenschwerer Überweisungen von Emigranten aus dem Ausland bisher ausgeglichen.(APA/dpa)

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    Der Kandidat der Sozialdemokraten Rodrigo Borja winkt seinen Anhängern zu

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    Gutiérrez hatte im Jänner 2000 den damaligen Präsidenten Jamil Mahuad gestürzt

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