Weiter Bombenterror auf Philippinen

20. Oktober 2002, 16:47
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Ein Toter und 16 Verletzte bei neuem Anschlag in Zamboanga - Abu Sayyaf-Führer festgenommen

Zamboanga - Die Terrorserie auf den Philippinen reißt nicht ab. Bei einem Bombenanschlag vor einer katholischen Andachtsstätte in der südphilippinischen Stadt Zamboanga wurden am Sonntag mindestens ein Mensch getötet und 16 weitere verletzt. Der Sprengsatz sei am Tor des Fort-Pillar-Heiligenaltars platziert gewesen, wo sich jeden Sonntag viele Gläubige einfänden, berichtete der Rundfunk. Es war der dritte Bombenanschlag in nur vier Tagen auf den Philippinen.

Bei dem Toten handelt es sich nach den Angaben um einen Soldaten, der die Andachtsstätte bewachen sollte. Die meisten Verletzten seien Verkäufer und Pilger, die sich gerade auf den Weg nach Hause gemacht hätten. Unter ihnen sei auch ein zehn Monate altes Baby.

Erst am Donnerstag waren bei Anschlägen auf zwei Einkaufszentren in Zamboanga sieben Menschen getötet und rund 150 verletzt worden. Die Regierung in Manila machte die militante Moslemgruppe Abu Sayyaf für die Tat verantwortlich. Am Freitag explodierte eine Bombe in einem Bus in der Hauptstadt Manila. Dabei wurden drei Menschen getötet. Anfang des Monats starben ein US-Soldat sowie drei Philippiner bei einem Bombenattentat ebenfalls in Zamboanga.

Kurz vor dem jüngsten Anschlag hatte die Polizei einen der höchsten Anführer der Abu Sayyaf, Mark Bolkerin Gumbahale, festgenommen. Wie die Behörden am Samstag mitteilten, wurde Gumbahale in einem Internet-Cafe in einem Vorort von Manila festgenommen, wo er sich mit einem Videospiel die Zeit vertrieb. Der 21-Jährige, der auch unter den Namen Abu Pula und Dr. Abu bekannt ist, gilt als Waffenexperte der Abu Sayyaf. Er war vermutlich auch an der Entführung der deutschen Familie Wallert vor zwei Jahren beteiligt. Auf Gumbahales Ergreifung war eine Belohnung von fünf Millionen Pesos (rund 95.000 Euro) ausgesetzt.

In Zusammenhang mit einem Anschlag auf einen Busbahnhof in Kidapawan am 10. Oktober nahm die Polizei am Samstag den mutmaßlichen Drahtzieher fest. Musim Mamintal stellte sich selbst den Behörden. Zusammen mit ihm wurden drei weitere Verdächtige inhaftiert. Bei dem Anschlag wurden sieben Menschen getötet und 24 verletzt. Nach Ansicht der Ermittlungsbehörden wollte Mamintal Geld von einer Busgesellschaft erpressen.

Am Sonntag herrschten in der Hauptstadt scharfe Sicherheitsvorkehrungen. Mit Spürhunden durchsuchten Polizisten ein Einkaufszentrum, nachdem dort ein verdächtiges Päckchen gefunden wurde. Allerdings enthielt es lediglich Kaffee, wie sich später herausstellte.

Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo rief angesichts der Anschläge der letzten Wochen die Bevölkerung zur Ruhe auf. In einer Rundfunkansprache erklärte sie, einige Unruhestifter versuchten mit begrenzten Mitteln, die 80 Millionen Filipinos in Angst und Schrecken zu versetzen. "Bleibt ruhig, seid wachsam" rief sie der Bevölkerung zu.

Regierungssoldaten töteten bei Gefechten im Süden fünf mutmaßliche moslemische Rebellen, wie ein Armeesprecher mitteilte. Die fünf waren aus einem Lager geflohen, das die Streitkräfte vor wenigen Tagen eingenommen hatten.(APA/dpa/AP)

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