Start für Wiener Centrum für Molekulare Medizin

21. Oktober 2002, 10:18
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Acht Projekte aus der Immunologie- und Gefäßzell-Forschung sollen in den kommenden Jahren für Aufsehen sorgen

Wien - Ein beim Wiener AKH entstehendes Forschungsgebäude, acht Projekte, die in den kommenden Jahren für Aufsehen sorgen sollen: Am Samstg wurde bei einem Symposium in Wien der Startschuss für das Centrum für Molekulare Medizin (CeMM), eine Ges.m.b.H. der österreichischen Akademie der Wissenschaften, gegeben. Zunächst stehen vor allem Immunologie- und Gefäßzell-Forschungen im Mittelpunkt. "Wir brauchen Publikationen, wollen Patente erhalten und klinische Phase I-Studien durchführen. Das CeMM soll interdisziplinäre Forschungen auf molekularer Ebene durchführen und die klinische Anwendung und die praktische Umsetzung der Ergebnisse betreiben", erklärte der Leiter des Instituts Univ.-Prof. Dieter Maurer (Dermatologische Universitätsklinik am Wiener AKH).

Vor einem Monat gab es den Spatenstich, bis zur Fertigstellung des Gebäudes wird das CeMM als "virtuelles Forschungszentrum" funktionieren. Die Hauptzielrichtung: Arbeiten an der Schnittstelle zwischen Klinik (AKH) und Grundlagenforschung. Maurer: "Wir wollen von neuen Erkenntnissen über die Ursache von Erkrankungen zur Identifizierung von Zielstrukturen für neue Therapien kommen." Für die Arbeiten bis hin zur Erprobung schließlich entdeckter neuer Wirksubstanzen wird es in dem Zentrum auch eine Einrichtung zur Produktion solcher Stoffe nach den Kriterien der Pharmaindustrie geben.

Immunologie- und Gefäßzell-Forschung

Betreut wird das Institut auch von einem neunköpfigen Beirat aus international angesehenen Forschern. Der Innsbrucker Hygieniker Univ.-Prof. Dr. Manfred Dierich ist ein österreichischer Vertreter. Der Beirat hat in seiner Sitzung am Freitag die ersten acht Projekte bzw. Projektteams ausgewählt, die in Zukunft im Rahmen des CeMM ihre Ideen vorantreiben sollen. Dabei wurde vor allem auf die schon bisher bekannten Stärken der Medizin-Forschung an der Wiener Universität aufgebaut: Immunologie- und Gefäßzell-Forschung. Die Projekte:

  • Genetische Instabilität des Immunsystem des Menschen. Daraus könnten sich neue Erkenntnisse über die Entstehung von Lymphomen und Leukämien ergeben.

  • Forschungen an Fettzellen, die neue Hinweise auf die Mechanismen geben könnten, welche zu Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes führen.

  • Forschungen zur Signal-Weiterleitung bei den Antigen-präsentierenden dendritischen Zellen. Diese Zellen spielen eine zentrale Rolle in den körpereigenen Abwehrmechanismen.

  • Genetische Manipulation von Tumorzellen (Krebsimpfstoffe).

  • Strategien zur Diagnose und Therapie von Allergien (Gräser, Getreide), auch nach Möglichkeiten zur Behandlung der Zöliakie soll gesucht werden.

  • Aufdeckung der Zusammenhänge zwischen Entzündungsreaktionen und der Zerstörung von Gewebe (z.B. Rheuma) und Suche nach spezifischen Möglichkeiten, in diese Reaktionen einzugreifen.

  • Identifizierung von Zielen für antientzündliche Therapien sowie für Behandlungsmethoden, welche die Neuentstehung von Blutgefäßen (Angiogenese z.B. in Tumoren) blockieren.

  • Arbeiten, die ein besseres Verständnis der Entwicklung von Blutgefäßen im Zusammenspiel mit dem Immunsystem bringen sollen.

    So "aufregend" in der Wissenschaft immer wieder gemachte Ankündigungen sein mögen, die Forscher am CeMM werden auch Zeit brauchen. Der weltbekannte Baseler Immunologe Univ.-Prof. Dr. Fritz Melchers, ebenfalls Mitglied des Forschungsbeirates: "Als Francis Crick und James Watson vor rund 50 Jahren die Strukturanlayse der menschlichen DNA bekannt gaben, wurde ich von der Pharmaindustrie gefragt, ob sich das denn je anwenden ließe. Ich habe 'Nein' gesagt. Jetzt, 50 Jahre später, haben wir die Anwendungen." (APA)

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