Karas und die Medienmonopole

22. Dezember 2005, 15:45
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Weitsichtige sehen in der Nähe unscharf

Manchen Menschen mit ganz ungetrübter Sehfähigkeit ist es nur schwer zu erklären: Kurzsichtige sehen in der Ferne nur Bahnhof, besonders Weitsichtige hätten oft gerne Helfer, die ihnen die Seiten umblättern, ohne dass sie aufstehen und zu Buch oder Zeitung gehen müssen.

Politikern wiederum steht ein gewisser Weitblick meist sehr gut an, was damit auf den ersten Blick wenig zu tun hat. Ausnahmen bestätigen die Regel: Othmar Karas, Schwiegersohn eines Altbundespräsidenten, der weniger Probleme mit den Augen denn mit dem Langzeitgedächtnis hatte, ist Wirtschaftssprecher der EVP-ED, also quasi die europäische Antwort auf die ÖVP.

Karas erfreute die Konsumenten der APA-Aussendungsschleuder OTS (Originaltextservice) vor ein paar Tagen damit, dass er (schon im Titel) "Monopolsituation bei Printmedienvertrieb in Slowenien kritisiert". Vor einem Beitritt Sloweniens in die EU, so zitierte ihn die Parlamentskorrespondenz der ÖVP weiter, "gehört" diese Monopolsituation "beseitigt". Das EU-Parlament habe die Beseitigung "bereits im Juni 2001" gefordert, erinnerte der österreichische EU-Parlamentarier bei der Gelegenheit in Laibach.

Weitsichtige nehmen offenbar auch "Monopolsituationen" nur ab einer gewissen Distanz vom Betrachter wahr. Wäre Medienkonzentration ein Kriterium, Österreich müsste mit "Formil" aus der EU geflogen sein.

PS: Reporter ohne Grenzen hat gerade ein Ranking veröffentlicht, in welchen Staaten Pressefreiheit am besten gewahrt wird. Österreich liegt auf Platz 26, Slowenien auf Rang 14. (fid)

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    foto: der standard/etat.at/montage
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