UNO-Studie: International operierende Kartelle plündern Kongo

21. Oktober 2002, 11:51
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"Netzwerk der Eliten" kooperieren mit kriminellen Verbindungen

New York - Afrikanische Staaten haben laut einer UNO-Studie nach dem Rückzug ihrer Armeen aus der Demokratischen Republik Kongo (Ex-Zaire) international operierende Kartelle zur Plünderung des Landes aufgebaut. Zu den "Netzwerken der Eliten", die vor allem Bodenschätze wie Diamanten und das Holz des Landes ausbeuteten, gehörten mehr als 20 ranghohe Vertreter aus Armee und Politik in Ruanda, Uganda, Simbabwe und der Demokratischen Republik Kongo, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Expertenbericht im Auftrag des Weltsicherheitsrats. Genannt wird auch ein belgischer Geschäftsmann, der "starke Unterstützung von bestimmten politischen Kreisen in Belgien" erhalte. Zudem werden 85 Unternehmen aufgelistet, die nach Erkenntnissen der Experten gegen international gültige ethische Richtlinien verstoßen. Dazu zählen Großbanken und Handelsfirmen auch aus Deutschland, Belgien, Großbritannien, Frankreich und den USA.

Sanktionsforderungen

Die Experten fordern Sanktionen gegen insgesamt 29 Unternehmen, darunter vier in Belgien ansässige Firmen. Der UNO-Sicherheitsrat wollte am Donnerstag über den Bericht beraten. Seit den Friedensverträgen von Pretoria und Luanda in diesem Jahr, die den seit sechs Jahren andauernden Krieg in dem Land weitgehend beendet haben, verlasse sich das Kartell bei dem schmutzigen Geschäft vor allem auf kriminelle Banden und von ihm unterstützte Rebellengruppen. Die Schätze würden über rund ein Dutzend afrikanischer Staaten in westliche Industrieländer exportiert. Zentrum der Geldwäsche seien die Vereinigten Arabischen Emirate.

"Netzwerk der Eliten"

Laut dem Bericht haben früher die in den Krieg verwickelten Armeen das Land ausgeplündert. Seit ihrem Abzug habe sich ein "organisiertes System" von Unterschlagung, Steuerbetrug, Erpressung und Geldwäsche entwickelt. Als Drahtzieher dieses Systems nennt der Bericht unter anderen den kongolesischen Sicherheitsminister Mwenze Kongolo und den simbabwesischen Parlamentspräsidenten Emmerson Dambudzo Mnangagwa. Das "Netzwerk" unterhalte enge Kontakte zu internationalen "kriminellen Verbindungen", heißt es weiter. (APA)

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