Dollar-Milliarde aus Angolas Budget "verschwunden"

20. Oktober 2002, 14:40
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IWF konstatiert mangelnde Transparenz bei Finanzgeschäften

Johannesburg/Luanda - Aus Angolas Staatskassen sind nach einem vertraulichen Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) allein im vergangenen Jahr eine Milliarde Dollar (1,027 Mrd. Euro) "verschwunden". Für den Zeitraum 1997 bis 2001 seien es sogar insgesamt 4,3 Milliarden Dollar gewesen, berichten Südafrikas Sonntagzeitungen unter Hinweis auf bekannt gewordenen Teile des IWF-Berichts. Die Informationen kommen zu einer Zeit, in der rund 8500 Tonnen dringend benötigter Nahrungsmittelhilfe für die hungernde Bevölkerung wegen unbeglichener Rechnungen in Angolas Häfen seit Wochen festgehalten werden.

Der Regierung des afrikanischen Landes bescheinigt der IWF nach den Berichten wenig Fortschritte bei der Bekämpfung von Korruption und mangelnder Transparenz bei Finanzgeschäften. Vor allem die staatliche Ölgesellschaft Sonangol - die mit mehreren internationalen Konzernen bei der Ausbeutung der Erdölfelder vor Angolas Küste zusammenarbeitet - wird vom IWF heftig kritisiert. So stimmten ihre deklarierten Einkünfte nicht mit ihrem Anteil an den Erlösen aus dem Öl-Geschäft überein. Außerdem werde das Geld entgegen bestehender Gesetze an der Zentralbank vorbei kanalisiert. Die angolanische Regierung wies die Anschuldigungen zurück.

Nigeria ablösen

Angola ist angesichts seiner enormen Erdöl-Reserven dabei, Nigeria als größten Ölproduzenten der Sahara abzulösen. Das Land, das gerade einen 27 Jahre dauernden Bürgerkrieg beendete, hat trotz seines Reichtums an Öl und Diamanten große Probleme bei der Ernährung seiner Bevölkerung. Vor allem kriegsbedingt hängen fast zwei Millionen der rund zwölf Millionen Angolaner von Nahrungsmittelhilfe ab.

Seit Anfang September liegen nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) dringend benötigte Hilfsgüter in drei Häfen des Landes fest. WFP-Sprecher Marcelo Spina-Hering machte unbezahlte Abfertigungsgebühren dafür verantwortlich und erklärte Journalisten: "Es ist nicht das WFP, das diese Gebühren zahlt, sondern die Regierung." (APA/dpa)

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