Die Spam-Connection

21. Oktober 2002, 00:09
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Wo der ganze Müll in Ihrer Mailbox wirklich herkommt, und was Neonazis damit zu tun haben

Aufdringliche Werbung per E-Mail - im Jargon "Spam" genannt - wird immer mehr zur Plage im Internet. Die Redaktion des Computermagazins c't ist der Herkunft deutschsprachiger Spam-Mails nachgegangen und dabei auf Verbindungen zur Neonazi-Szene gestoßen.

Nachforschungen

Die direkten Urheber von Spam sind oft nur sehr schwer zu ermitteln, denn Absenderangaben bei E-Mail lassen sich sehr einfach fälschen. Dass so viele Spammer ihre Identität verschleiern, hat einen handfesten Grund: Spam ist unerwünschten Werbefaxen gleichgestellt und somit verboten. Vielfach müssen die Absender auch befürchten, wegen Betrugs belangt zu werden, weil sie mit falschen Angaben Einwahlprogramme für teure 0190-Nummern verbreiten.

Mitglieder

Ein wichtiger Anlaufpunkt für deutsche Spam-Versender ist nach c't-Informationen eine Website namens "Bulkmailerclub", zu der man nur gegen Zahlung eines monatlichen Mitgliedsbeitrags in Höhe von 299 Euro Zutritt erhält. Für dieses Geld bekommen die Spammer unter anderem Informationen, Software und vor allem Millionen E-Mail-Adressen.

Neonazi-Connection

Außerdem erhalten die Mitglieder viele Ratschläge im "Bulkmailerclub": Zur Bundestagswahl ermahnte der dortige Foren-Administrator sie dazu, ihre Stimme "national" abzugeben. Immer wieder empfahl er so genannte "Partnerprogramme" eines bestimmten Unternehmens, hinter dem nach c't-Informationen ein rechtskräftig verurteilter Neonazi aus Bayern steckt. Von dort führte eine Spur zu dem US-Amerikaner Gary Lauck, einem international bekannten Rechtsradikalen. In den meisten Fällen ging es um den Vertrieb von Pornografie mit Hilfe von 0190-Einwahlprogrammen. "Es scheint so, als fließe ein erheblicher Teil des dadurch erzielten Profits in die Kassen brauner Seilschaften," meint c't-Redakteur Holger Bleich. (red)

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