Zusammenstöße im Westjordanland fordern dreißig Verletzte

20. Oktober 2002, 15:55
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Siedlern und israelische Armee lieferten sich stundenlange Kämpfe

Jerusalem - Bei Zusammenstößen zwischen radikalen jüdischen Siedlern und israelischen Sicherheitskräften sind im Westjordanland 30 Menschen verletzt worden. Zu den stundenlangen Auseinandersetzungen kam es, als die Sicherheitskräfte am Samstagabend einen Vorposten der Siedlung Chavat Gilad südlich von Nablus räumen wollten. Hunderte Siedler griffen die Soldaten und Polizisten daraufhin mit Steinen an. Auch Fahrzeuge der Sicherheitskräfte wurden beschädigt. Sonntag früh war noch unklar, ob der Vorposten geräumt werden konnte.

Israels Ministerpräsident Ariel Sharon verurteilte die gewaltsamen Proteste. Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer warf den Siedlern "schurkisches Verhalten" vor. Dagegen forderten orthodoxe Minister den Rücktritt Ben-Eliezers, weil er den Soldaten den Einsatz am heiligen Sabbat befohlen habe. Polizisten und Soldaten waren am Abend mit Bussen und einer Planierraupe an dem Außenposten der Siedlung eingetroffen. Zunächst hatten die Demonstranten versucht, die Räumung mit einer Sitzblockade zu verhindern. Als die Sicherheitskräfte dennoch mit der Räumung begannen, wurden sie von den Siedlern angegriffen.

Die Armee hatte bereits am Mittwoch mit dem Abbau der Kleinsiedlung begonnen, nachdem mehr als Tausend militante Siedler die Räumung durch gewalttätige Demonstrationen verhindert hatten. Die Bewohner der Kleinsiedlung hatten das Areal dann aber geräumt, weil ihnen zugesagt worden war, dass sie das umstrittene Gelände künftig als landwirtschaftliche Farm weiter benutzen könnten. Dutzende Siedler waren jedoch am Wochenende wieder zurückgekehrt. Die Siedlung war von einer jüdischen Familie vor einem Jahr ohne Genehmigung der Regierung errichtet worden, nachdem Palästinenser ihren Sohn erschossen hatten.

Chavat Gilad ist eine von 24 illegal errichteten Siedlungen, die auf Geheiß von Ben Elieser geräumt und zerstört werden sollen. Die Zeitung "Haaretz" berichtete in ihrer Online-Ausgabe, dass der Einsatz in Chavat Gilat die erste Räumung einer bewohnten Siedlung seit Beginn der Räumungskampagne Ben Eliezers gewesen sei. Die Siedlungsvorposten bestehen meist nur aus einigen wenigen Wohnwagen und Zelten. (APA/dpa/AFP)

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