OMV-Chef: Econgas bald startbereit

19. Oktober 2002, 22:07
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Marktöffnung belastet Gasergebnis - Ruttenstorfer hat "kein Mitleid" mit Kritikern der Gaslösung aus den Bundesländern

Wien - "Econgas", die österreichische Gas-Kooperation von OMV und den Gasunternehmen der EnergieAllianz, wird nach den Worten von OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer demnächst startklar sein und auch auf ausländischen Märkten agieren, um die Absatzverluste infolge der Gasmarktöffnung im Inland durch verstärkte Verkäufe im Ausland auszugleichen. Das offizielle "grüne Licht" der Kartellbehörden für Econgas, die je zur Hälfte von OMV und EnergieAllianz getragen wird, erwartet der OMV-Chef für die nächsten Tage.

Die Liberalisierung werde das Gasergebnis der OMV zweifellos belasten, "das Gasergebnis der letzten zwei, drei Jahre wird nicht erreichbar sein", sagte Ruttenstorfer am Samstag auf der "Gewinn"-Messe in Wien. Andererseits sei die OMV dann - nicht zuletzt durch die Econgas-Partnerschaft - gut aufgestellt für die Zukunft, wenn die Marktöffnung auch in anderen EU-Staaten voranschreite. Derzeit seien nämlich Deutschland und alle anderen Nachbarländer hier weit hinter Österreich, von Frankreich gar nicht zu reden. Einzig in Großbritannien sei - wie bei Strom - auch der Gassektor voll liberalisiert.

Zur Kritik heimischer Gaskonkurrenten aus Bundesländern, die nicht der Econgas-Kooperation angehören, meinte Ruttenstorfer, hier halte sich sein "Mitleid in Grenzen". Die hinter den Steirern stehende Gaz de France (GdF) sei sieben mal so groß wie die OMV, die Ruhrgas, mit der die Salzburg AG ein Joint-Venture schmieden will, sogar zehn mal so groß. In Kärnten sei bereits die RWE drinnen, und die italienische Snam trete ebenfalls am heimischen Markt auf.

Die OMV habe den sich verschärfenden Wettbewerb am Gasmarkt, der seit 1. Oktober d.J. auch für Haushaltskunden völlig geöffnet ist, bereits seit Jahren zu spüren bekommen: "Die Großabnehmer würgen uns seit zwei Jahren", sie kämen mit Angeboten ausländischer Gasriesen in der Hand zur OMV, um niedrigere Preise auszuhandeln.

Ab 2003 sollte die OMV mit Econgas jedoch gut aufgestellt sein, um in den scharfen Konkurrenzkampf mit den großen Playern auf dem Erdgasmarkt voll einsteigen zu können, so der OMV-Chef: "Ja, wir nehmen den internationalen Wettbewerb auf." In Bayern und Slowenien agiere man schon seit geraumer Zeit mit Erfolg.

Die OMV bekenne sich zur Marktliberalisierung, nötig sei aber auch, dass man gewisse Bereiche zusammenlegen könne, um "wirkliche Einsparungen" zu erzielen. Es sei klug gewesen, den Gasmarkt zu öffnen, denn es habe zweifellos "Ineffizienzen" gegeben.

Econgas werde eine "starke Großhandelsgesellschaft" sein, wobei die Hochdruckpipelines über eine eigene Netzbetreuungs-Gesellschaft zu entsprechenden durch den Regulator geregelten Tarifen "ganz offen" und "für alle frei" sein würden, so der OMV-Chef.

Gas als Energieträger habe auch im Hinblick auf die Kyoto-Treibhausgas-Ziele ein besonderes Entwicklungspotenziel, betonte Ruttenstorfer. Erdgas sei im Vergleich zu Öl der umweltfreundlichere Energieträger, da hier mehr Wasserstoff als Kohlenstoff enthalten sei: "Das ist eine wesentliche Säule unserer künftigen Strategie."

Die künftig in der "Regelzone Ost" mit 80 Prozent des heimischen Gasmarktes agierende Econgas tragen zu je 50 Prozent die OMV und die EnergieAllianz-Gasgesellschaften (dabei EVN und Wiengas je 15,7 Prozent, OÖ. Ferngas 15,55 Prozent, BEGAS 2,6 Prozent und Linz AG 0,45 Prozent). Gemeinsam wollen die Partner Industrie- und Großgewerbekunden ab 500.000 m3 Jahresbedarf beliefern.

(APA)

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    Wolfgang Ruttenstorfer

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