Streit um Flüge auf Staatskosten für Italiens Ex-Königsfamilie

19. Oktober 2002, 13:23
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Bevorstehende Rückkehr der Savoyen aus dem Exil sorgt in Rom für Spannungen

Rom - Die Rückkehr der männlichen Nachkommen des letzten italienischen Königs in ihre Heimat - sie soll noch vor Jahresende erfolgen - nährt heftige Polemik in Italien. Für Entrüstung sorgten in parlamentarischen Kreisen Gerüchte, denen zufolge der Sohn des letzten italienischen Königs Vittorio Emanuele und seine Familie der Regierung in Rom eine Liste von Forderungen im Hinblick auf ihre Rückkehr eingereicht hätten.

Die Familie Savoyen habe Autos mit Chauffeuren und Eskorten für die Sicherheit von Vittorio Emanuele und seinen Sohn Emanuele Filiberto beantragt, hieß es. Sie hätten außerdem Flüge auf Staatskosten bei gewissen Gelegenheiten gefordert. Sie sollen auch verlangt haben, dass einige Residenzen der Savoyen, die nach der Gründung der Republik 1946 beschlagnahmt wurden, der Familie wieder zurückgegeben werden.

"Sie sollten froh sein, zurückkehren zu dürfen"

Die Forderungen der Savoyen seien bei einer Ministerratsitzung am Freitag besprochen worden, verlautete es aus dem römischen Parlament, in dem es zu heftigen Reaktionen kam. "Ich habe für die Rückkehr der Savoyen in Italien gestimmt. Sie können jetzt nichts mehr verlangen. Sie sollten froh sein, dass sie trotz ihrer historischen Verstrickungen mit dem Faschismus nach Italien zurückkehren dürfen", sagte der Parlamentarier der Grünen, Paolo Cento.

Vittorio Emanuele von Savoyen bestritt, jemals Begünstigungen vom italienischen Staat gefordert zu haben. "Wir haben für uns nichts verlangt. Wir wollen als einfache Bürger nach Italien zurückkehren. In Italien ist eine Verleumdungskampagne gegen uns im Gange", so Vittorio Emanuele. Auch aus Regierungskreisen wurde dementiert, dass die Savoyen eine Liste mit Forderungen in Hinblick auf ihre Rückkehr eingereicht haben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten sich die Italiener 1946 in einer Volksabstimmung mehrheitlich für die Umwandlung des Staates in eine Republik entschieden. Für die männlichen Mitglieder der vormals regierenden Linie des Königshauses galt bis jetzt ein Einreiseverbot. Die italienische Abgeordnetenkammer hob es im Juli endgültig auf. Da bis 15. Oktober kein Referendum gegen die Rückkehr der Königsfamilie beschlossen wurde, dürfen die exilierten Mitglieder noch bis Jahresende nach Italien zurückkehren.

Vittorio Emanuele war neun Jahre alt, als er Italien verließ. Sein inzwischen 30-jähriger Sohn Emanuele Filiberto wurde in der Schweiz geboren und wuchs dort auf. Er war nie in Italien. Beide haben auf jeglichen Thronanspruch verzichtet und versichert, sich loyal zur Verfassung und zur Staatsführung zu verhalten. (APA)

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